
Zwischen Ton und Leinwand: Comic-Con enthüllt düstere Visionen von DC und Marvel
Während in San Diego die Comic-Con beginnt, präsentieren die Studios mit „Clayface“ und „Avengers: Doomsday“ psychologische Abgründe und multiversale Zusammenführungen – und in Hollywood bereitet sich ein legendäres Kino auf seine Wiedereröffnung vor.
Ein Gesicht zerfließt. Im ersten offiziellen Trailer zu „Clayface“, den DC Studios unmittelbar vor Beginn der Comic-Con in San Diego veröffentlichten, sieht man, wie sich die Züge des Schauspielers Matt Hagen unter der Einwirkung unbekannter Substanzen auflösen und zu einer formlosen Masse werden. Tom Rhys Harries, der den gequälten Antagonisten verkörpert, steht im Zentrum dieser wenige Sekunden dauernden Metamorphose, die das Publikum in den sozialen Netzwerken in Schrecken versetzte. Der kurze Ausschnitt, der in Mexiko-Stadt ebenso kursierte wie in São Paulo, zeigt eine Verwandlung, die weniger an comic-hafte Übertreibung als an körperlichen Verfall erinnert.
Der Film, der im Oktober 2026 in die Kinos kommen soll, verlegt die Ursprungsgeschichte des Batman-Gegners in das Milieu Hollywoods. Regisseur James Watkins und die Drehbuchautoren Mike Flanagan und Hossein Amini erzählen von einem aufstrebenden Star, dessen durch einen Anschlag entstelltes Gesicht ihn in die Arme einer zwielichtigen Wissenschaft treibt. Aus Washingtoner Sicht betonen die Produzenten um Matt Reeves und James Gunn, dass es sich um ein psychologisches Kammerspiel handle, das die Themen Identitätsverlust und zerstörerische Liebe auslote. Der Film siedelt sich zeitlich zwischen „The Batman“ (2022) und der angekündigten Fortsetzung an, bleibt aber eine eigenständige Erzählung – ohne Auftritt des Dunklen Ritters, dafür, so der Regisseur, mit versteckten Hinweisen für Kenner.
Wenige Tage später, in der legendären Halle H des San Diego Convention Center, wird Marvel Studios ein anderes Spektakel entfalten. Der neue Trailer zu „Avengers: Doomsday“ versammelt Figuren aus verschiedenen Jahrzehnten und Universen: Patrick Stewart als Professor X, Ian McKellen als Magneto, dazu die Fantastischen Vier und eine Armee von Helden, die sich einer von Robert Downey Jr. gespielten Inkarnation des Doctor Doom stellen müssen. Die von den Russo-Brüdern inszenierte Produktion, die im Dezember 2026 startet, führt laut Studioangaben die Erzählstränge der X-Men-Filme aus der Fox-Ära mit dem Marvel Cinematic Universe zusammen. In den Bildern des Trailers, die in Brasilien und Indonesien zeitgleich kommentiert wurden, taucht Chris Evans als Steve Rogers auf, der erneut Mjölnir schwingt – ein Echo vergangener Schlachten, das die Fans in den Hallen der Comic-Con zu kollektiven Ausrufen hinreißen dürfte.
Hinter den Kulissen bereitet Kevin Feige, der Architekt des MCU, bereits die Zeit nach dem großen Multiversums-Krieg vor. In einem Interview, das in Jakarta zitiert wurde, sprach er von Plänen bis ins Jahr 2042 und einer „vereinfachten, einzigen Realität“, die nach „Avengers: Secret Wars“ (2027) entstehen solle. Die Mutanten um die X-Men würden dann, so Feige, die Führung übernehmen. Während Ryan Reynolds auf einem Fan-Festival in den USA durchblicken ließ, dass ein weiterer Deadpool-Film denkbar sei, richtet sich der Blick in Hollywood auch auf ein greifbares Relikt der Kinogeschichte: Der Cinerama Dome, das ikonische Kuppelgebäude am Sunset Boulevard, soll nach sechsjähriger Schließung Anfang 2028 wiedereröffnet werden. Sony Pictures, Eigentümer der Alamo Drafthouse-Kette, will die geschwungene Leinwand und die 70-Millimeter-Projektion bewahren – ein Versprechen, dass das Kino als physischer Ort selbst in einer Zeit der digitalen Parallelwelten Bestand hat.
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