Anmelden
Ausgabe von 16:00 CETSamstag, 20. Juni 2026
307 Quellen · 17 Sprachen981 Briefings heute
Gesellschaft & KulturFreitag, 19. Juni 2026

Wenn der Fußball zum Tribunal wird: Afrikas Fans boykottieren Südafrikas Bafana Bafana

Ein 1:1 gegen Tschechien und eine 0:2-Niederlage gegen Mexiko – die WM-Spiele Südafrikas werden von einer kontinentalen Protestwelle gegen die fremdenfeindlichen Ausschreitungen im Land überschattet.

Das 1:1 der südafrikanischen Nationalmannschaft gegen Tschechien am Donnerstagabend geriet auf den Rängen und in den sozialen Netzwerken zu einem Symbol einer tieferen Spaltung. In einem Sportbar in Nairobi ballte eine kenianische Zuschauerin bei jedem Fehler der Bafana Bafana die Fäuste vor Freude – nicht aus sportlicher Rivalität, sondern aus Protest gegen die Welle xenophober Gewalt, die seit Monaten durch Südafrika zieht. „Alles im Fußball ist Politik“, sagte sie Reportern. Ein ghanaischer Influencer hatte zuvor auf X geschrieben: „Südafrika kann nicht einmal Mexiko angreifen. Die einzigen, die sie angreifen können, sind die Ghanaer, die in ihrem Land leben.“ Die Kampagne, jeden Gegner Südafrikas zu unterstützen, hatte bereits beim Eröffnungsspiel für Aufsehen gesorgt, als eine Fotomontage den afrikanischen Kontinent mit der mexikanischen Flagge überzog – mit Ausnahme Südafrikas.

Auf dem Platz verlief die WM für die Bafana Bafana bislang enttäuschend. Gegen Mexiko setzte es eine 0:2-Niederlage, gegen Tschechien reichte es nur zu einem Remis. Kapitän Ronwen Williams bekannte nach der Partie, die politische Aufladung belaste ihn: „Man will sich auf seine Arbeit konzentrieren, aber man wird in die Politik hineingezogen, wo man eigentlich nicht sein möchte.“ Der südafrikanische Fußballverband verurteilte die „Online-Belästigung“ und die „beleidigenden Nachrichten“ gegen seine Spieler als inakzeptabel. Die FIFA hatte zuvor bereits mit Visa-Problemen für afrikanische Fans und Journalisten zu kämpfen, was die Präsenz der Diaspora in den Stadien Nordamerikas zusätzlich erschwerte.

Der sportliche Unmut speist sich aus einer realen Eskalation im Innern Südafrikas. Seit April kommt es landesweit zu Protesten gegen irreguläre Migration, angefacht von Gruppierungen, die ein Ultimatum zum 30. Juni für die Ausreise aller „illegalen“ Ausländer setzen. Begleitet werden die Märsche von einer toxischen Social-Media-Kampagne, die Analysten von Murmur Intelligence als „moderne xenophobe Bewegung“ bezeichnen, die über Jahre hinweg gezielt aufgebaut worden sei. Desinformationsvideos, KI-generierte gefälschte Regierungsmitteilungen und Gewaltaufrufe kursieren. Die Regierung in Pretoria hat unter Präsident Cyril Ramaphosa eine härtere Gangart gegen illegale Einwanderung angekündigt und binnen einer Woche 2.745 Ausländer repatriiert. Hunderte Nigerianer, Ghanaer und Mosambikaner haben das Land verlassen, doch viele harren unter prekären Bedingungen auf versprochene Evakuierungsflüge.

Die Reaktionen auf dem Kontinent sind zwiespältig. Ein Funktionär der Afrikanischen Fußballkonföderation (CAF) polterte zunächst, man könne „Afrika nicht misshandeln und einen weltweiten Segen erwarten“, ruderte später aber zurück und rief dazu auf, „das Trikot“ Südafrikas zu tragen. In Nairobi gab es auch Stimmen, die sich weigerten, ein ganzes Land für eine Minderheit zu verurteilen, und an historische Vertreibungen wie jene unter Idi Amin erinnerten. Doch die Symbolkraft des Sports ist ungebrochen: Die nächste Gruppenpartie wird für Südafrika nicht nur ein Kampf um Punkte, sondern auch um die Gunst eines Kontinents, der sich abgewandt hat. Mit einem Zähler aus zwei Spielen steht das Team unter Zugzwang – ein Sieg ist nötig, um das Achtelfinale noch zu erreichen.

Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.

2 Mediengruppen · 2 Sprachen

24%
TonTemperaturFokusPositionierungHorizont
Subsaharisch-afrikanische PresseLateinamerikanische Presse
Subsaharisch-afrikanische Presse/ Anglophon
EmpörungAlarmOpferrolle

Die fremdenfeindliche Gewalt in Südafrika hat eine kontinentale Gegenreaktion ausgelöst: Afrikanische Fans feuern nun gegen Bafana Bafana an. Online-Drohungen, Fristen für Migranten und Zwangsevakuierungen haben die Weltmeisterschaft zur Protestbühne gemacht. Die seit 2008 tief verwurzelte Ausländerfeindlichkeit kostet die Nationalmannschaft die Unterstützung des restlichen Afrikas.

Lateinamerikanische Presse
SchadenfreudePragmatismus

Nach fremdenfeindlicher Gewalt wenden sich afrikanische Fans von Südafrika ab und feuern bei der WM dessen Gegner an. In einer Sportbar in Nairobi jubelt eine Anhängerin über jeden Fehler der Bafana Bafana, überzeugt, dass Fußball Politik ist und eine Lektion erteilt werden muss. Das Spiel wird zur Gelegenheit, ein Land symbolisch zu bestrafen, dem vorgeworfen wird, seine eigenen afrikanischen Brüder abzulehnen.

Verwandte Artikel

Mehr lesen
Aktuell
Roy Keanes Zorn auf die WAGs: Wenn das Trikot zur Zielscheibe wird·Nach Herzinfarkt: Trainer Fernando Gago notoperiert und in stabilem Zustand·Angriff mit Hiebwaffe in Krasnodarer Einkaufszentrum: ein Todesopfer, fünf Verletzte·Die Stunde der Jalousien: Wie Italien mit Bonus, Kühlmatten und Melonen gegen die Hitze rüstet·Feuer über der Meerenge: „House of the Dragon“ startet mit der Schlacht am Barranco in die dritte Staffel·480.000 Perlen, 25.000 Federn: Die Details von Dua Lipas Chanel-Brautkleid·Bagnaia dominiert Sprint in Brünn – WM-Spitzenreiter Bezzecchi stürzt·Tödliche Verkehrsunfälle am Wochenende: Opfer in Deutschland, Schweden, Iran und Brasilien·Roy Keanes Zorn auf die WAGs: Wenn das Trikot zur Zielscheibe wird·Nach Herzinfarkt: Trainer Fernando Gago notoperiert und in stabilem Zustand·Angriff mit Hiebwaffe in Krasnodarer Einkaufszentrum: ein Todesopfer, fünf Verletzte·Die Stunde der Jalousien: Wie Italien mit Bonus, Kühlmatten und Melonen gegen die Hitze rüstet·Feuer über der Meerenge: „House of the Dragon“ startet mit der Schlacht am Barranco in die dritte Staffel·480.000 Perlen, 25.000 Federn: Die Details von Dua Lipas Chanel-Brautkleid·Bagnaia dominiert Sprint in Brünn – WM-Spitzenreiter Bezzecchi stürzt·Tödliche Verkehrsunfälle am Wochenende: Opfer in Deutschland, Schweden, Iran und Brasilien·
Akt. 23:122 Sprachen · 2 Quellen
VorherigerGesellschaft & KulturNächster
2 Quellen|2 Sprachen|3 Min. Lesezeit
Freitag, 19. Juni 2026

Wenn der Fußball zum Tribunal wird: Afrikas Fans boykottieren Südafrikas Bafana Bafana

Ein 1:1 gegen Tschechien und eine 0:2-Niederlage gegen Mexiko – die WM-Spiele Südafrikas werden von einer kontinentalen Protestwelle gegen die fremdenfeindlichen Ausschreitungen im Land überschattet.

Das 1:1 der südafrikanischen Nationalmannschaft gegen Tschechien am Donnerstagabend geriet auf den Rängen und in den sozialen Netzwerken zu einem Symbol einer tieferen Spaltung. In einem Sportbar in Nairobi ballte eine kenianische Zuschauerin bei jedem Fehler der Bafana Bafana die Fäuste vor Freude – nicht aus sportlicher Rivalität, sondern aus Protest gegen die Welle xenophober Gewalt, die seit Monaten durch Südafrika zieht. „Alles im Fußball ist Politik“, sagte sie Reportern. Ein ghanaischer Influencer hatte zuvor auf X geschrieben: „Südafrika kann nicht einmal Mexiko angreifen. Die einzigen, die sie angreifen können, sind die Ghanaer, die in ihrem Land leben.“ Die Kampagne, jeden Gegner Südafrikas zu unterstützen, hatte bereits beim Eröffnungsspiel für Aufsehen gesorgt, als eine Fotomontage den afrikanischen Kontinent mit der mexikanischen Flagge überzog – mit Ausnahme Südafrikas.

Auf dem Platz verlief die WM für die Bafana Bafana bislang enttäuschend. Gegen Mexiko setzte es eine 0:2-Niederlage, gegen Tschechien reichte es nur zu einem Remis. Kapitän Ronwen Williams bekannte nach der Partie, die politische Aufladung belaste ihn: „Man will sich auf seine Arbeit konzentrieren, aber man wird in die Politik hineingezogen, wo man eigentlich nicht sein möchte.“ Der südafrikanische Fußballverband verurteilte die „Online-Belästigung“ und die „beleidigenden Nachrichten“ gegen seine Spieler als inakzeptabel. Die FIFA hatte zuvor bereits mit Visa-Problemen für afrikanische Fans und Journalisten zu kämpfen, was die Präsenz der Diaspora in den Stadien Nordamerikas zusätzlich erschwerte.

Der sportliche Unmut speist sich aus einer realen Eskalation im Innern Südafrikas. Seit April kommt es landesweit zu Protesten gegen irreguläre Migration, angefacht von Gruppierungen, die ein Ultimatum zum 30. Juni für die Ausreise aller „illegalen“ Ausländer setzen. Begleitet werden die Märsche von einer toxischen Social-Media-Kampagne, die Analysten von Murmur Intelligence als „moderne xenophobe Bewegung“ bezeichnen, die über Jahre hinweg gezielt aufgebaut worden sei. Desinformationsvideos, KI-generierte gefälschte Regierungsmitteilungen und Gewaltaufrufe kursieren. Die Regierung in Pretoria hat unter Präsident Cyril Ramaphosa eine härtere Gangart gegen illegale Einwanderung angekündigt und binnen einer Woche 2.745 Ausländer repatriiert. Hunderte Nigerianer, Ghanaer und Mosambikaner haben das Land verlassen, doch viele harren unter prekären Bedingungen auf versprochene Evakuierungsflüge.

Die Reaktionen auf dem Kontinent sind zwiespältig. Ein Funktionär der Afrikanischen Fußballkonföderation (CAF) polterte zunächst, man könne „Afrika nicht misshandeln und einen weltweiten Segen erwarten“, ruderte später aber zurück und rief dazu auf, „das Trikot“ Südafrikas zu tragen. In Nairobi gab es auch Stimmen, die sich weigerten, ein ganzes Land für eine Minderheit zu verurteilen, und an historische Vertreibungen wie jene unter Idi Amin erinnerten. Doch die Symbolkraft des Sports ist ungebrochen: Die nächste Gruppenpartie wird für Südafrika nicht nur ein Kampf um Punkte, sondern auch um die Gunst eines Kontinents, der sich abgewandt hat. Mit einem Zähler aus zwei Spielen steht das Team unter Zugzwang – ein Sieg ist nötig, um das Achtelfinale noch zu erreichen.

Divergenz der Quellen

Gesellschaft & Kultur · 2 Quellen · 2 Sprachen

24%Niedrig

Wie stark die Quellen die gleichen Fakten unterschiedlich darstellen.

Wie sie sich aufteilen

Neutral14%
Kritisch86%

Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.

2 Mediengruppen · 2 Sprachen

TonTemperaturFokusPositionierungHorizont
Subsaharisch-afrikanische PresseLateinamerikanische Presse
Subsaharisch-afrikanische Presse/ Anglophon
EmpörungAlarmOpferrolle

Die fremdenfeindliche Gewalt in Südafrika hat eine kontinentale Gegenreaktion ausgelöst: Afrikanische Fans feuern nun gegen Bafana Bafana an. Online-Drohungen, Fristen für Migranten und Zwangsevakuierungen haben die Weltmeisterschaft zur Protestbühne gemacht. Die seit 2008 tief verwurzelte Ausländerfeindlichkeit kostet die Nationalmannschaft die Unterstützung des restlichen Afrikas.

Lateinamerikanische Presse
SchadenfreudePragmatismus

Nach fremdenfeindlicher Gewalt wenden sich afrikanische Fans von Südafrika ab und feuern bei der WM dessen Gegner an. In einer Sportbar in Nairobi jubelt eine Anhängerin über jeden Fehler der Bafana Bafana, überzeugt, dass Fußball Politik ist und eine Lektion erteilt werden muss. Das Spiel wird zur Gelegenheit, ein Land symbolisch zu bestrafen, dem vorgeworfen wird, seine eigenen afrikanischen Brüder abzulehnen.

Diese Nachricht erschien in

2 Quellen · 2 Sprachen

Verwandte Artikel

Geopolitik & Politik

Iran schließt Straße von Hormus – Verhandlungsteam reist dennoch in die Schweiz

9 Sprachen · 58 Quellen

Sport

Cunha-Doppelpack und Vinícius-Tor führen Brasilien zum ersten Sieg – Raphinha angeschlagen

8 Sprachen · 33 Quellen

Kriminalität & Katastrophen

Güterzug-Kollision in München: Ein Toter, Waggons stürzen von Brücke

11 Sprachen · 21 Quellen

Mehr lesen