
Wenn der Fußball zum Tribunal wird: Afrikas Fans boykottieren Südafrikas Bafana Bafana
Ein 1:1 gegen Tschechien und eine 0:2-Niederlage gegen Mexiko – die WM-Spiele Südafrikas werden von einer kontinentalen Protestwelle gegen die fremdenfeindlichen Ausschreitungen im Land überschattet.
Das 1:1 der südafrikanischen Nationalmannschaft gegen Tschechien am Donnerstagabend geriet auf den Rängen und in den sozialen Netzwerken zu einem Symbol einer tieferen Spaltung. In einem Sportbar in Nairobi ballte eine kenianische Zuschauerin bei jedem Fehler der Bafana Bafana die Fäuste vor Freude – nicht aus sportlicher Rivalität, sondern aus Protest gegen die Welle xenophober Gewalt, die seit Monaten durch Südafrika zieht. „Alles im Fußball ist Politik“, sagte sie Reportern. Ein ghanaischer Influencer hatte zuvor auf X geschrieben: „Südafrika kann nicht einmal Mexiko angreifen. Die einzigen, die sie angreifen können, sind die Ghanaer, die in ihrem Land leben.“ Die Kampagne, jeden Gegner Südafrikas zu unterstützen, hatte bereits beim Eröffnungsspiel für Aufsehen gesorgt, als eine Fotomontage den afrikanischen Kontinent mit der mexikanischen Flagge überzog – mit Ausnahme Südafrikas.
Auf dem Platz verlief die WM für die Bafana Bafana bislang enttäuschend. Gegen Mexiko setzte es eine 0:2-Niederlage, gegen Tschechien reichte es nur zu einem Remis. Kapitän Ronwen Williams bekannte nach der Partie, die politische Aufladung belaste ihn: „Man will sich auf seine Arbeit konzentrieren, aber man wird in die Politik hineingezogen, wo man eigentlich nicht sein möchte.“ Der südafrikanische Fußballverband verurteilte die „Online-Belästigung“ und die „beleidigenden Nachrichten“ gegen seine Spieler als inakzeptabel. Die FIFA hatte zuvor bereits mit Visa-Problemen für afrikanische Fans und Journalisten zu kämpfen, was die Präsenz der Diaspora in den Stadien Nordamerikas zusätzlich erschwerte.
Der sportliche Unmut speist sich aus einer realen Eskalation im Innern Südafrikas. Seit April kommt es landesweit zu Protesten gegen irreguläre Migration, angefacht von Gruppierungen, die ein Ultimatum zum 30. Juni für die Ausreise aller „illegalen“ Ausländer setzen. Begleitet werden die Märsche von einer toxischen Social-Media-Kampagne, die Analysten von Murmur Intelligence als „moderne xenophobe Bewegung“ bezeichnen, die über Jahre hinweg gezielt aufgebaut worden sei. Desinformationsvideos, KI-generierte gefälschte Regierungsmitteilungen und Gewaltaufrufe kursieren. Die Regierung in Pretoria hat unter Präsident Cyril Ramaphosa eine härtere Gangart gegen illegale Einwanderung angekündigt und binnen einer Woche 2.745 Ausländer repatriiert. Hunderte Nigerianer, Ghanaer und Mosambikaner haben das Land verlassen, doch viele harren unter prekären Bedingungen auf versprochene Evakuierungsflüge.
Die Reaktionen auf dem Kontinent sind zwiespältig. Ein Funktionär der Afrikanischen Fußballkonföderation (CAF) polterte zunächst, man könne „Afrika nicht misshandeln und einen weltweiten Segen erwarten“, ruderte später aber zurück und rief dazu auf, „das Trikot“ Südafrikas zu tragen. In Nairobi gab es auch Stimmen, die sich weigerten, ein ganzes Land für eine Minderheit zu verurteilen, und an historische Vertreibungen wie jene unter Idi Amin erinnerten. Doch die Symbolkraft des Sports ist ungebrochen: Die nächste Gruppenpartie wird für Südafrika nicht nur ein Kampf um Punkte, sondern auch um die Gunst eines Kontinents, der sich abgewandt hat. Mit einem Zähler aus zwei Spielen steht das Team unter Zugzwang – ein Sieg ist nötig, um das Achtelfinale noch zu erreichen.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Die fremdenfeindliche Gewalt in Südafrika hat eine kontinentale Gegenreaktion ausgelöst: Afrikanische Fans feuern nun gegen Bafana Bafana an. Online-Drohungen, Fristen für Migranten und Zwangsevakuierungen haben die Weltmeisterschaft zur Protestbühne gemacht. Die seit 2008 tief verwurzelte Ausländerfeindlichkeit kostet die Nationalmannschaft die Unterstützung des restlichen Afrikas.
Nach fremdenfeindlicher Gewalt wenden sich afrikanische Fans von Südafrika ab und feuern bei der WM dessen Gegner an. In einer Sportbar in Nairobi jubelt eine Anhängerin über jeden Fehler der Bafana Bafana, überzeugt, dass Fußball Politik ist und eine Lektion erteilt werden muss. Das Spiel wird zur Gelegenheit, ein Land symbolisch zu bestrafen, dem vorgeworfen wird, seine eigenen afrikanischen Brüder abzulehnen.
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