
Waffenruhe ohne Frieden: UN meldet fast 1.000 Tote in Gaza seit Oktober
Trotz der von Washington vermittelten Waffenruhe sterben weiter Palästinenser, während Tausende Leichen unter Trümmern unidentifiziert bleiben – eine humanitäre und forensische Tragödie.
Vor dem Menschenrechtsrat in Genf hat UN-Hochkommissar Volker Türk eine düstere Bilanz der vergangenen Monate gezogen. Seit der im Oktober 2024 verkündeten Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas seien fast 1.000 Palästinenser getötet worden, die meisten von ihnen Zivilisten. Gleichzeitig drängten israelische Behörden die Bevölkerung im Gazastreifen in immer kleinere Gebiete und schränkten die Versorgung mit humanitären Hilfsgütern massiv ein. Auch im Westjordanland verschärfe sich die Lage: Dort starben 57 Menschen, fast 1.300 wurden verletzt, Hunderte verhaftet und 23 Landenteignungsanordnungen erlassen. Die Zahlen zeichnen das Bild eines Konflikts, der trotz diplomatischer Initiativen aus Washington unvermindert schwelt.
Parallel dazu warnt das Internationale Komitee vom Roten Kreuz vor einer stillen Katastrophe. Tausende Leichen liegen noch immer unter den Trümmern zerstörter Gebäude im gesamten Küstenstreifen. Ohne schweres Räumgerät und gesicherten Zugang zu den oft einsturzgefährdeten Schuttbergen drohen viele Opfer für immer anonym zu bleiben. Für die Angehörigen bedeutet das nicht nur seelische Qual, sondern auch rechtliche Unsicherheit, da Todesfälle ohne forensische Identifizierung häufig nicht amtlich anerkannt werden. Die Zeit arbeitet gegen die Bergungsteams: Mit jedem Tag schwindet die Chance, die Toten anhand von Fingerabdrücken oder DNA-Spuren zweifelsfrei zuzuordnen.
Vor Ort weitet das israelische Militär derweil seine Kontrolle aus. Im Norden des Gazastreifens flohen Bewohner aus ihren Häusern, nachdem Truppen dort Gelände besetzten. Bei einem Luftangriff auf das Flüchtlingslager Nuseirat im Zentrum des Gebiets wurden zwei Brüder getötet; die Armee äußerte sich zunächst nicht zu dem Vorfall. Die von US-Präsident Donald Trump vermittelte Waffenruhe hat weder die Angriffe gestoppt noch die Entwaffnung der Hamas erreicht. Aus israelischer Sicht rechtfertigen Angriffe militanter Gruppen, denen vier Soldaten zum Opfer fielen, die fortgesetzten Operationen.
Beobachter in Berlin und Brüssel sehen die Entwicklung mit wachsender Sorge. Deutschland, das sowohl als Vermittler als auch als humanitärer Geber auftritt, steht vor der Herausforderung, die brüchige Waffenruhe nicht als stabilen Zustand hinzunehmen. Die ungeklärten Schicksale der Verschütteten und die anhaltende Gewalt untergraben jede Perspektive auf einen dauerhaften Frieden. Ohne einen robusten internationalen Mechanismus zur Bergung und Identifizierung der Toten sowie zur Durchsetzung des Gewaltverzichts droht der Gazastreifen in einem Zustand zwischen Krieg und brüchiger Ruhe zu verharren – mit unabsehbaren Folgen für die gesamte Region.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Die Waffenruhe in Gaza bröckelt: Tausende Leichen liegen noch unter Trümmern und drohen, nie identifiziert zu werden. Die UNO wirft Israel vor, seit Beginn der Waffenruhe fast tausend Zivilisten getötet zu haben, während Hilfslieferungen blockiert und der Lebensraum immer enger wird. Die humanitäre Katastrophe geht unvermindert weiter.
Die massive Verteilung von Waffen an Siedler nach dem Hamas-Angriff hat ein Monster geschaffen, das der Staat nicht mehr kontrollieren kann. Über 140 neue Außenposten sind entstanden, und die Siedlergewalt ist unkontrollierbar, was jede Chance auf einen echten Waffenstillstand untergräbt. Die Waffenruhe ist hohl, weil die Regierung die Kontrolle über das Westjordanland verloren hat.
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