
US-Militär tötet drei mutmaßliche Schmuggler im Ostpazifik – Zahl der Opfer steigt auf über 200
Die amerikanischen Streitkräfte haben erneut ein Boot im östlichen Pazifik angegriffen; die monatelange Kampagne gegen sogenannte Narcoterroristen stößt auf wachsende rechtliche und politische Kritik.
Das Südkommando der US-Streitkräfte (SOUTHCOM) hat am 18. Juni im östlichen Pazifik ein Schiff angegriffen und dabei nach eigenen Angaben drei Personen getötet. Das Kommando stufte das Ziel als ein von „designierten terroristischen Organisationen“ betriebenes Fahrzeug ein, das auf bekannten Schmuggelrouten unterwegs gewesen sei. Mit diesem Einsatz erhöht sich die Zahl der bei Bootsangriffen getöteten Menschen seit Beginn der Operation „Southern Spear“ im September 2025 auf mindestens 211; etwa 66 Schiffe wurden zerstört. Überlebende wurden in mehreren Fällen von der Küstenwache gesucht, die Suche jedoch oft ergebnislos eingestellt.
Aus Washingtoner Sicht befinden sich die Vereinigten Staaten in einem „bewaffneten Konflikt“ mit lateinamerikanischen Drogenkartellen. Präsident Donald Trump bezeichnet die Getöteten als „Narcoterroristen“ und verteidigt die Angriffe als notwendige Eskalation, um den Drogenstrom und die Zahl tödlicher Überdosierungen in den USA einzudämmen. Das Weiße Haus beruft sich auf eine vertrauliche Rechtsauslegung des Justizministeriums, die tödliche Einsätze ohne richterliche Überprüfung erlaube. SOUTHCOM veröffentlichte ein kurzes Video des Angriffs, legte jedoch – wie bei früheren Einsätzen – keine öffentlichen Beweise dafür vor, dass das Schiff tatsächlich Drogen transportierte oder die Getöteten kriminellen Organisationen angehörten.
In Lateinamerika und in den Vereinigten Staaten selbst formiert sich deutlicher Widerspruch. Die Vereinten Nationen haben die Militärschläge verurteilt und darauf hingewiesen, dass die Bekämpfung des Drogenhandels Aufgabe von Strafverfolgungsbehörden sei. Der kolumbianische Präsident Gustavo Petro argumentierte, unter den Bootsinsassen befänden sich auch Unschuldige, und nannte die Strategie ineffektiv, weil sie lediglich „Arbeiter des Geschäfts“ treffe, nicht aber die Hintermänner. Im US-Kongress verlangten Senatoren am Donnerstag die Herausgabe ungeschnittener Videoaufnahmen der Angriffe. Völkerrechtler und Menschenrechtsorganisationen bezweifeln die Legalität der Einsätze grundsätzlich; besondere Besorgnis erregte der erste Angriff im September, bei dem ein zweiter Schlag Überlebende tötete, die sich an Wrackteile klammerten. Das Weiße Haus bestätigte diesen Folgeschlag und bezeichnete ihn als Akt der „Selbstverteidigung“ zur Zerstörung des Schiffes.
Die interne Aufsichtsbehörde des Pentagons kündigte im Mai an, zu prüfen, ob die Streitkräfte bei der Zielauswahl den etablierten sechsstufigen „Joint Targeting Cycle“ eingehalten haben; die Legalität der Angriffe ist nicht Gegenstand dieser Untersuchung. Kritiker verweisen zudem darauf, dass das für viele Todesfälle verantwortliche Fentanyl überwiegend auf dem Landweg aus Mexiko in die USA gelangt und dort mit Chemikalien aus China und Indien produziert wird. Die Wirksamkeit der maritimen Schläge bleibt damit ebenso umstritten wie ihre völkerrechtliche Grundlage. Die nächste Entwicklung in dem Dossier wird von der angekündigten Herausgabe der ungeschnittenen Videos und den Ergebnissen der Pentagon-Prüfung erwartet.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Das US-Militär hat ein mutmaßliches Drogenschmugglerschiff im Ostpazifik angegriffen und dabei drei Männer getötet, die es als Narcoterroristen bezeichnete. Der Angriff ist Teil einer monatelangen Kampagne, bei der bereits über 211 Menschen getötet wurden und die als notwendige Sicherheitsmaßnahme zur Unterbindung von Drogenströmen dargestellt wird.
US-Streitkräfte griffen ein des Drogenschmuggels beschuldigtes Boot an, töteten drei Menschen und erhöhten die Gesamtzahl der Todesopfer unter Trumps Offensive auf mindestens 211. Die Kampagne wird wegen der hohen Opferzahl, fehlender rechtsstaatlicher Verfahren und der kurzen Inhaftierung Überlebender vor ihrer Rückführung kritisiert. Sie gilt als harter Eingriff, der militärische Gewalt über rechtliche Zusammenarbeit stellt.
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