
US-Exportkontrollen für KI: Anthropic eröffnet Büro in Seoul, Banken sperren Zugang
Nachdem Washington den Zugang zu den Modellen Fable 5 und Mythos 5 für Ausländer untersagte, reagieren Unternehmen und Finanzinstitute mit Verlagerungen und Nutzungsverboten.
Die amerikanische Regierung hat den Zugang zu den leistungsfähigsten KI-Modellen von Anthropic – Fable 5 und Mythos 5 – für nicht-amerikanische Nutzer drastisch eingeschränkt. Aus Washingtoner Sicht war der Auslöser eine erweiterte Liste von rund 150 Organisationen, denen das Unternehmen privilegierten Zugriff gewähren wollte. Unter den nachträglich hinzugefügten Adressaten befand sich nach Behördenangaben ein südkoreanischer Telekommunikationskonzern, bei dem die US-Regierung Verbindungen nach China vermutete. Obwohl der Name nicht offiziell bestätigt wurde, richtet sich der Verdacht in Seoul gegen SK Telecom, das kurz zuvor eine frühe Zugangsberechtigung zu Mythos 5 erhalten hatte. Das Unternehmen wies jegliche China-Verbindungen zurück und betonte, im Kernnetz keine Ausrüstung von Huawei einzusetzen. Washington verlangt von Anthropic zudem, sogenannte Jailbreaking-Schwachstellen zu schließen, bevor eine Freigabe für ausländische Nutzer wieder in Betracht kommt.
Als Reaktion auf die Exportkontrollen verstärkt Anthropic nun seine Präsenz in Südkorea und eröffnet ein eigenes Büro in Seoul. Das Land gilt dem Unternehmen als einer der am schnellsten wachsenden Märkte weltweit, getragen von einer starken technischen Basis und einer lebendigen Entwicklergemeinschaft. Die Niederlassung soll den direkten Austausch mit koreanischen Partnern ermöglichen, ohne gegen die Washingtoner Auflagen zu verstoßen. Gleichzeitig arbeitet Anthropic nach eigenem Bekunden daran, die von der Regierung geforderten Sicherheitslücken zu beheben, um die Beschränkungen für die Spitzenmodelle wieder lockern zu können.
Parallel dazu ziehen führende US-Banken Konsequenzen. JPMorgan Chase hat seinen Mitarbeitern in Hongkong den Zugriff auf sämtliche Claude-Modelle von Anthropic untersagt, Goldman Sachs verhängte zuvor ein ähnliches Verbot. Die Institute berufen sich auf eine strikte Auslegung der Lizenzbedingungen, die eine Nutzung in Festlandchina ausschließen. In Hongkong, das als Finanzdrehscheibe eng mit dem chinesischen Markt verflochten ist, wählen die Banken damit den Weg der maximalen Vorsicht. Die Maßnahmen zeigen, wie weit die Verunsicherung über die extraterritoriale Reichweite amerikanischer KI-Kontrollen bereits in den globalen Finanzsektor hineinwirkt.
Für europäische Beobachter – auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz – wirft der Fall grundsätzliche Fragen auf. Unternehmen, die Anthropic-Modelle in ihren internationalen Niederlassungen einsetzen, müssen künftig genau prüfen, ob Verbindungen nach China bestehen und ob sie damit unter US-Exportrestriktionen fallen könnten. Die europäische KI-Verordnung und der Datenschutzrahmen bieten hier nur begrenzten Schutz vor amerikanischen Sicherheitsauflagen. Die Eröffnung des Büros in Seoul mag kurzfristig den asiatischen Markt absichern, doch die zugrunde liegende geopolitische Logik bleibt bestehen: Washington betrachtet Spitzen-KI zunehmend als strategisches Gut, dessen Weitergabe an potenzielle Rivalen unterbunden werden muss. Der Balanceakt zwischen Innovationsoffenheit und nationaler Sicherheit wird die globale KI-Landschaft noch auf Jahre prägen.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Washington verschärft die Kontrolle über KI-Exporte und zwingt Unternehmen wie Anthropic, nach Seoul auszuweichen. Große US-Banken sperren den Zugang zu fortschrittlichen Modellen in Hongkong, was den Verdacht eines technologischen Kreuzzugs gegen China nährt.
Das Weiße Haus stellt Anthropic ein Ultimatum: Sicherheitslücken schließen, bevor Modelle im Ausland freigegeben werden. Unterdessen weiten große Investmentbanken das KI-Zugangsverbot auf Mitarbeiter in Hongkong aus, vor dem Hintergrund eskalierender Spannungen zwischen den USA und China.
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