
Trump rügt Israels Libanon-Feldzug und empfiehlt Syrien als Ordnungsmacht
Am Rande des G7-Gipfels in Évian-les-Bains hat US-Präsident Donald Trump Israels Kriegsführung gegen die Hisbollah scharf kritisiert und überraschend Syrien als Alternative ins Spiel gebracht.
Mit ungewohnter Schärfe hat sich US-Präsident Donald Trump am Dienstag am Rande des G7-Gipfels in Frankreich von der israelischen Militärkampagne im Libanon distanziert. In einer bilateralen Begegnung mit dem Emir von Katar erklärte Trump, Israel kämpfe „zu lange“ gegen die Hisbollah, und es würden „zu viele Menschen getötet“. Man müsse nicht jedes Mal ein Wohnhaus zerstören, wenn man jemanden suche – in diesen Gebäuden seien viele Menschen, und nicht alle gehörten der Hisbollah an. Noch bemerkenswerter war sein Vorschlag, Syrien unter Präsident Ahmed al-Scharaa könne die Aufgabe besser bewältigen: „Wenn Israel es nicht schafft, ohne alle anderen zu töten, dann soll Syrien den Job erledigen.“ Trump lobte al-Scharaa als jemanden, der „großartige Arbeit“ leiste, und unterstrich damit eine tektonische Verschiebung im regionalen Kräftebild.
Die Äußerungen fallen in eine Phase höchster diplomatischer Empfindlichkeit. Wenige Stunden vor der Unterzeichnung einer Grundsatzvereinbarung zwischen Washington und Teheran hatte Israel einen Luftangriff auf ein Hisbollah-Kommandozentrum in Beirut geflogen, was die iranische Seite als mögliches Hindernis für den Deal bezeichnete. Trump stellte jedoch klar, dass die Vereinbarung mit Iran auch bei weiteren israelischen Angriffen Bestand haben könne – der Libanon-Konflikt sei eine „kleine“ Auseinandersetzung, während es mit Iran um einen „großen Krieg“ gehe. Aus Washingtoner Sicht ist die Priorität eindeutig: Der Durchbruch mit Iran soll nicht durch einen verlängerten Stellvertreterkrieg im Libanon gefährdet werden. Trump ließ durchblicken, dass er mit Netanjahus Vorgehen unzufrieden sei und der israelische Premier „mehr Verantwortung in Bezug auf den Libanon“ zeigen müsse.
In Jerusalem reagierte man betont zurückhaltend, aber die Verstimmung ist unübersehbar. Ministerpräsident Netanjahu räumte ein, er und Trump seien „nicht immer einer Meinung“, das komme „selbst in den besten Familien vor“. Er betonte seine Verantwortung für die Sicherheit Israels und vermied eine direkte Konfrontation. Israelische Medien analysierten, der Konflikt mit der Hisbollah dauere bereits 981 Tage, ohne dass ein entscheidender Sieg errungen worden sei. Trumps Vorschlag, ausgerechnet Syrien – einen historischen Feind Israels – als Ordnungsmacht einzusetzen, wird in israelischen Sicherheitskreisen mit tiefem Misstrauen aufgenommen. Gleichzeitig wächst in der arabischen Welt die Aufmerksamkeit für die neue Rolle, die Trump dem syrischen Präsidenten zuschreibt, der in Damaskus einen fragilen Stabilisierungskurs verfolgt.
Europäische Diplomaten und Beobachter in den G7-Staaten sehen in Trumps Vorstoß ein weiteres Beispiel für seine transaktionale Außenpolitik, die traditionelle Allianzen unter Druck setzt. Die Vorstellung, Syrien könne anstelle Israels die Hisbollah bekämpfen, wirft Fragen nach der Souveränität des Libanon und der künftigen Sicherheitsarchitektur der Region auf. Zugleich betonte ein hochrangiger US-Vertreter, der Abzug israelischer Truppen aus dem Südlibanon sei keine Bedingung des Iran-Deals; die Waffenruhe sei nicht einseitig, und Israel behalte das Recht auf Selbstverteidigung, sollte die Hisbollah weiter angreifen. Die kommenden Tage werden zeigen, ob Netanjahu in einem erbetenen Dringlichkeitstreffen mit Trump die strategischen Differenzen überbrücken kann – oder ob sich die Risse im amerikanisch-israelischen Bündnis weiter vertiefen.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Die beiläufige Bemerkung von Präsident Trump, Syrien könne Israel im Kampf gegen die Hisbollah ersetzen, hat in israelischen Sicherheitskreisen Alarm ausgelöst. Der Vorschlag, geäußert bei einem G7-Treffen mit dem Emir von Katar, wird als gefährlich naiv angesehen, da er die Fragilität Syriens und das Risiko einer Stärkung eines früheren Gegners ignoriert. Offizielle warnen, dass solche Äußerungen die operative Freiheit Israels untergraben und ein falsches Signal an Teheran senden.
Trumps unverblümte Kritik an Israels Libanon-Feldzug – er töte zu viele Menschen und Syrien könne sich stattdessen um die Hisbollah kümmern – ist im arabischen Levant mit einer Mischung aus Schadenfreude und Ironie aufgenommen worden. Seine gleichzeitige Prahlerei, 'ohne mich gäbe es Israel nicht', unterstreicht den transaktionalen Charakter der Beziehung. Für viele bestätigen die Äußerungen, dass selbst das Weiße Haus angesichts des Ausmaßes der Zerstörung die Geduld verliert.
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