
Trump rügt Israels Kriegsführung im Libanon – Abkommen mit Iran in Gefahr
Während Washington und Teheran ein Friedensabkommen vorbereiten, gefährden israelische Angriffe im Südlibanon die diplomatische Initiative – und offenbaren einen tiefen Riss zwischen Trump und Netanyahu.
Mit ungewöhnlich scharfen Worten hat US-Präsident Donald Trump das militärische Vorgehen Israels im Libanon öffentlich kritisiert und damit das angespannte Verhältnis zu Premierminister Benjamin Netanyahu offengelegt. Am Rande des G7-Gipfels im französischen Évian erklärte Trump, es sei nicht hinnehmbar, bei der Suche nach Hisbollah-Mitgliedern ganze Wohnhäuser zu zerstören – „zu viele Menschen werden getötet“. Er äußerte sich unzufrieden mit der israelischen Kriegsführung und brachte erstmals den syrischen Präsidenten Ahmed al-Sharaa als möglichen Akteur ins Spiel: Wenn Israel die Aufgabe nicht erledigen könne, „ohne alle anderen zu töten“, werde Syrien dies übernehmen. Aus Washingtoner Sicht unterstreichen diese Äußerungen eine wachsende Frustration im Weißen Haus, die weit über taktische Differenzen hinausreicht.
Die verbale Eskalation fällt in eine äußerst heikle diplomatische Phase. Washington und Teheran stehen unmittelbar vor der Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding, das den seit Ende Februar andauernden Krieg beenden soll. Die Zeremonie ist für den 19. Juni in der Schweiz vorgesehen. Doch die Einigung ist fragil: Iran besteht darauf, dass ein Abkommen den vollständigen Rückzug Israels aus dem Libanon erzwingen müsse. Außenminister Abbas Araghchi bezeichnete die fortgesetzte israelische Präsenz als Bruch jeder Friedensregelung. Das iranische Militärkommando drohte mit einer „harten Antwort“, sollte Israel seine Angriffe nicht einstellen, und bezifferte die Zahl der Waffenstillstandsverstöße seit Bekanntgabe der Vereinbarung auf 84. Israel hingegen lehnt einen Rückzug ab und bekräftigt, so lange im Südlibanon zu bleiben, wie es die Sicherheitslage erfordere.
Die Lage vor Ort widerspricht der diplomatischen Annäherung. Libanesischen Behörden zufolge töteten israelische Drohnenangriffe am Dienstag vier Menschen bei Mayfadoun und Shukeen im Distrikt Nabatieh. Am Mittwoch folgten Luftschläge auf Nabatieh al-Fawqa, Kfar Tebnit und al-Mansouri, begleitet von Artilleriebeschuss und einem Bodenvorstoß in Richtung Haddatha. Die Hisbollah feuerte ihrerseits mehr als zehn Raketen auf israelische Truppen. Seit Beginn der Kämpfe am 2. März sind im Libanon fast 4.000 Menschen getötet und über eine Million vertrieben worden. In Beirut wird Trumps Kritik als spätes Eingeständnis einer Realität gewertet, die Zivilisten seit Monaten erleiden.
Der Ton zwischen Trump und Netanyahu markiert einen historischen Bruch. Trump, der einst als engster Verbündeter Netanyahus galt, soll ihn in Gesprächen als „verrückt“ bezeichnet und Israels Existenz mit seiner eigenen Person verknüpft haben: „Ohne mich gäbe es kein Israel.“ Israelische Kommentatoren sprechen von einer Demütigung des Premierministers, der einräumen musste, die Details des Abkommens nicht zu kennen. Trump wiederum steht innenpolitisch unter Druck – der unpopuläre Krieg hat die Benzinpreise steigen lassen. Sollte das Abkommen mit Iran an den anhaltenden israelischen Operationen scheitern, droht eine regionale Eskalation mit direkter iranischer Beteiligung. Für Europa, dessen Energiemärkte und Sicherheitsarchitektur von der Stabilität des Nahen Ostens abhängen, wäre ein Scheitern der Diplomatie mit erheblichen Risiken verbunden.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Die beiläufige Bemerkung von Präsident Trump, Syrien könne Israel im Kampf gegen die Hisbollah ersetzen, hat in israelischen Sicherheitskreisen Alarm ausgelöst. Der Vorschlag, geäußert bei einem G7-Treffen mit dem Emir von Katar, wird als gefährlich naiv angesehen, da er die Fragilität Syriens und das Risiko einer Stärkung eines früheren Gegners ignoriert. Offizielle warnen, dass solche Äußerungen die operative Freiheit Israels untergraben und ein falsches Signal an Teheran senden.
Trumps unverblümte Kritik an Israels Libanon-Feldzug – er töte zu viele Menschen und Syrien könne sich stattdessen um die Hisbollah kümmern – ist im arabischen Levant mit einer Mischung aus Schadenfreude und Ironie aufgenommen worden. Seine gleichzeitige Prahlerei, 'ohne mich gäbe es Israel nicht', unterstreicht den transaktionalen Charakter der Beziehung. Für viele bestätigen die Äußerungen, dass selbst das Weiße Haus angesichts des Ausmaßes der Zerstörung die Geduld verliert.
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