
G7-Gipfel in Évian: Trump drängt Moskau zum „Deal“ – Europäer warnen vor oberflächlichem Iran-Abkommen
Nach der vorläufigen Einigung mit Teheran verlagert sich der Fokus der G7 auf die Ukraine; die Verbündeten einigen sich auf schärfere Energiesanktionen gegen Russland, während europäische Sorgen über die Iran-Vereinbarung wachsen.
Der Gipfel der sieben führenden Industrienationen im französischen Évian-les-Bains hat am Dienstag eine markante Wende genommen. Nur Stunden nach der Ankündigung eines vorläufigen Friedensabkommens zwischen Washington und Teheran erklärte US-Präsident Donald Trump, Russland müsse nun „einen Deal machen“, um den mehr als vier Jahre währenden Krieg gegen die Ukraine zu beenden. Bei einem nicht im offiziellen Programm vorgesehenen bilateralen Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj – dem ersten direkten Gespräch seit fast vier Monaten – versicherte Trump, er werde „alles in meiner Macht Stehende tun“. Die G7-Staaten verständigten sich darauf, den Druck auf Moskau insbesondere durch Sanktionen gegen den russischen Öl- und Gassektor zu erhöhen, sobald die Blockade der Straße von Hormus aufgehoben ist.
Aus europäischer Sicht wird der Schwung des Iran-Dossiers jedoch von erheblichen Vorbehalten begleitet. Diplomatische Kreise in Paris, Berlin und London ließen durchblicken, dass man Trump eindringlich vor einem „oberflächlichen Interimsabkommen“ warnen werde, das Teherans nukleare und ballistische Raketenprogramme nicht eindämme, sondern langfristig zementiere. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Gastgeber des Treffens am Genfer See, betonte, die Priorität liege auf einem „soliden, ernsthaften und finalisierten“ Vertrag. Die europäischen Partner drängen zudem auf eine rasche und verlässliche Wiedereröffnung der Straße von Hormus für die kommerzielle Schifffahrt – ein Punkt, zu dem amerikanische Offizielle am Vortag widersprüchliche Signale gesendet hatten. Die Skepsis nährt sich aus der Erfahrung, dass vorläufige Abkommen mit Teheran ohne robuste Verifikationsmechanismen rasch an Substanz verlieren.
Im Mittelpunkt der Ukraine-Sitzung stand Selenskyj, der auf Einladung Macrons bis zum Abschluss des Gipfels bleibt. Er unterbreitete den Staats- und Regierungschefs Vorschläge für ein Kriegsende, darunter das Angebot eines Treffens mit Wladimir Putin in den Vereinigten Staaten. Eine trilaterale Begegnung zwischen Trump, Selenskyj und Macron am Rande des Plenums unterstrich die neue Dynamik. Französische Diplomaten berichteten anschließend, die Gruppe sei „geeint“ und unterstütze die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine. Trump selbst räumte ein, dass auf dem Gefechtsfeld eine für Kiew günstige Entwicklung zu beobachten sei. Die vereinbarten Energiesanktionen zielen darauf ab, Moskaus wichtigste Finanzierungsquelle für den Krieg auszutrocknen, und werden von Berlin über Rom bis Tokio mitgetragen.
Aus Moskauer Perspektive bleibt die Haltung dagegen verhärtet. Der Kreml erklärte, es habe keine offizielle Einladung zum Gipfel gegeben; Putin habe eine solche ohnehin abgelehnt. Trump hatte zuvor mit beiden Präsidenten telefoniert und signalisiert, dass Washington nach dem Iran-Kapitel nun die Ukraine in den Blick nehme. Die menschlichen Verluste auf beiden Seiten – Trump sprach von einer „enormen Zahl“ getöteter junger Menschen – verleihen den Vermittlungsbemühungen zusätzliche Dringlichkeit. Beobachter in Peking und anderen Hauptstädten des Globalen Südens registrieren aufmerksam, ob der Westen tatsächlich von der militärischen Unterstützung Kiews zu einer kohärenten Verhandlungsstrategie findet.
Der Gipfel, an dem auch Brasilien, Indien, Kenia und Südkorea als Gäste teilnehmen, offenbart damit eine doppelte Bewährungsprobe. Zum einen muss das vorläufige Iran-Abkommen in den kommenden sechzig Tagen in belastbare technische Regelungen überführt werden – von der Inspektion hochangereicherten Urans bis zum schrittweisen Abbau der Wirtschaftssanktionen. Zum anderen wird sich zeigen, ob die geeinte Drohkulisse der G7 und Trumps direkter Druck auf Moskau ausreichen, um Russland an den Verhandlungstisch zu bringen. Für Deutschland und seine europäischen Partner steht dabei nicht weniger auf dem Spiel als die Glaubwürdigkeit einer regelbasierten Sicherheitsordnung auf dem Kontinent.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Trump erklärte, Putin und Selenskyj seien offen für eine Einigung, doch Selenskyj betonte Putins frühere Ablehnungen und schlug ein Gipfeltreffen in den USA vor, um eine erneute Absage zu erschweren. Trumps Optimismus wird mit Vorsicht aufgenommen, während an die monatlich 25.000 getöteten Soldaten erinnert wird.
Selenskyj bot während eines Telefonats mit Trump an, Putin in den USA zu treffen, mit der Begründung, ein amerikanischer Ort würde es Putin schwerer machen, abzulehnen. Trump berichtete von positiven Gesprächen mit beiden Führern.
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