
Costa do Marfim schlägt Ecuador spät und durchbricht südamerikanischen Bann
Amad Diallo erzielte in der 90. Minute den Siegtreffer zum 1:0, während Ecuador dreimal Aluminium traf und nun vor schweren Aufgaben steht.
Mit einem Treffer in der letzten Minute der regulären Spielzeit hat die Elfenbeinküste am Sonntagabend in Philadelphia Ecuador mit 1:0 besiegt und damit einen historischen Makel getilgt. Vor 68.000 Zuschauern im Lincoln Financial Field, die mehrheitlich in den Farben der Tri erschienen waren, erzielte der eingewechselte Amad Diallo von Manchester United den entscheidenden Treffer. Es war der erste Sieg der Ivorer gegen eine südamerikanische Mannschaft in der Gruppenphase einer Weltmeisterschaft – und zugleich der erste WM-Erfolg seit zwölf Jahren.
Dabei hatte Ecuador über weite Strecken die besseren Chancen. Zweimal traf das Team von Trainer Sebastián Beccacece im ersten Durchgang die Querlatte: zunächst durch John Yeboah nach 23 Minuten, dann durch Pedro Vite. Auch nach dem Seitenwechsel blieb die Tri das aktivere Team, doch ein Schuss von Alan Minda klatschte erneut an den Pfosten. Die Ivorer ihrerseits verzeichneten einen Aluminiumtreffer durch Elye Wahi kurz nach Wiederbeginn. So deutete alles auf das erste torlose Remis des Turniers hin, ehe Diallo nach einem schnellen Vorstoß von Abwehrspieler Wilfried Singo mit links flach ins lange Eck vollstreckte.
Aus südamerikanischer Perspektive wiegt die Niederlage schwer. Ecuador verlor zum dritten Mal ein WM-Auftaktspiel – nach 2002 gegen Italien und 2014 gegen die Schweiz. Beccacece sprach von einem „ungerechten“ Ergebnis und monierte eine aus seiner Sicht übersehene Rote Karte gegen einen ivorischen Akteur. Die mangelnde Effizienz vor dem Tor, gepaart mit der späten Unachtsamkeit, bringt die Equadorianer nun in eine prekäre Lage: In der Gruppe E müssen sie noch gegen Curaçao und den Mitfavoriten Deutschland antreten, wobei ein Weiterkommen wohl nur über einen Sieg gegen die DFB-Elf oder als einer der besten Gruppendritten möglich scheint.
Für die Elfenbeinküste hingegen eröffnet der Last-Minute-Coup eine vielversprechende Ausgangsposition. Der vierte WM-Sieg der Verbandsgeschichte katapultiert das Team von Emerse Faé, der nach dem Treffer unverhohlen jubelte, auf Augenhöhe mit Deutschland an die Tabellenspitze. Aus afrikanischer Sicht ist der Erfolg ein Signal: Erstmals seit 2014 hat eine ivorische Auswahl wieder ein WM-Spiel gewonnen, und das ausgerechnet gegen einen südamerikanischen Gegner, der bislang als unbezwingbar galt.
Mit Blick auf die kommenden Aufgaben richtet sich die Aufmerksamkeit nun auf das Duell der Ivorer mit Deutschland in Toronto. Für die deutsche Mannschaft, die ihr Auftaktspiel gegen Curaçao bestreitet, wird die Partie gegen die Elfenbeinküste zu einem Gradmesser: Der afrikanische Kontrahent hat bewiesen, dass er spät zuschlagen kann und defensiv nur schwer zu knacken ist. Ecuador wiederum muss gegen Curaçao zwingend punkten, um das letzte Gruppenspiel gegen Deutschland nicht zum Endspiel werden zu lassen. Die Gruppe E verspricht damit jene Spannung, die dieses auf 48 Teams erweiterte Turnier von Beginn an prägt.
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