
Netanjahus politischer Albtraum: Wie der Iran-Deal die Allianz mit Trump zerreißt
Während Washington und Teheran eine Feuerpause aushandeln, sieht sich Israels Premier seiner sicherheitspolitischen Grundpfeiler beraubt – und gerät in offenen Konflikt mit dem Weißen Haus.
Die sich abzeichnende Waffenruhe zwischen den Vereinigten Staaten und Iran entwickelt sich für Benjamin Netanjahu zu einem politischen Desaster von historischem Ausmaß. Aus Jerusalemer Sicht zerstört das Abkommen gleich drei tragende Säulen seiner Karriere: das Image des unentbehrlichen Flüsterers in Washington, die Doktrin der kompromisslosen Konfrontation mit Teheran und den Nimbus als „Mr. Sicherheit“ Israels. Dass ausgerechnet Donald Trump, den Netanjahu noch vor Monaten als engsten Verbündeten im gemeinsamen Krieg gegen die iranische Theokratie feierte, nun öffentlich auf Distanz geht und einen Separatfrieden sucht, gleicht einer strategischen Demütigung.
Aus Washingtoner Perspektive ist die Kehrtwende jedoch folgerichtig. Trump hatte den Konflikt stets als Instrument zur Projektion amerikanischer Stärke und zur Eindämmung des iranischen Nuklearprogramms betrachtet. Nachdem die angestrebte Neuordnung des Nahen Ostens ausgeblieben ist und Israels Militäroperationen im Libanon feststecken, drängt das Weiße Haus auf einen geordneten Rückzug. Die amerikanische Priorität liegt nun auf einem Abkommen, das Teheran von der Schwelle zur Atomwaffe zurückdrängt, auch wenn dies bedeutet, Netanjahus Kriegsziele unerfüllt zu lassen. Beobachter in Washington konstatieren, dass der Präsident wenig Geduld für einen Verbündeten aufbringt, dessen fortgesetzte Schläge gegen die Hisbollah den diplomatischen Spielraum der USA einengen.
In Teheran wiederum wird die Feuerpause als strategischer Erfolg gewertet. Die Islamische Republik hat den militärischen Druck überstanden, ohne dass ihr Regime gestürzt wurde, und kann nun aus einer Position relativer Stärke verhandeln. Während Israel darauf pocht, die iranische Präsenz in Syrien und die Aufrüstung der Hisbollah dauerhaft zu unterbinden, bleibt das Netzwerk der Stellvertreter weitgehend intakt. Aus europäischer Sicht, insbesondere für Deutschland, Österreich und die Schweiz, wächst damit die Gefahr einer erneuten Destabilisierung der Levante, die unmittelbare Auswirkungen auf Migrationsbewegungen und Energiemärkte hätte.
Für Netanjahu entsteht daraus ein doppeltes Dilemma. Innenpolitisch droht der Vorwurf, einen Krieg ohne klaren Sieg geführt und zugleich den wichtigsten Verbündeten brüskiert zu haben, wenige Monate vor möglichen Neuwahlen. Sicherheitspolitisch bleibt Israel im Libanon gebunden, während die Hisbollah – wenn auch geschwächt – weiterhin eine Bedrohung darstellt. Die öffentliche Forderung Washingtons und Teherans, die Angriffe auf die Miliz einzustellen, setzt den Premier unter Zugzwang, den er ohne Gesichtsverlust kaum bewältigen kann.
Die wachsende Kluft zwischen Netanjahu und Trump offenbart eine grundlegende Verschiebung: Der amerikanische Präsident betrachtet den Nahen Osten zunehmend durch die Linse kurzfristiger Deeskalation, während Israels Regierung auf eine langfristige Schwächung Irans setzt. Sollte der Deal zustande kommen, stünde Netanjahu vor der Wahl, entweder isoliert weiterzukämpfen oder einen Waffenstillstand zu akzeptieren, der seine politische Marke unwiderruflich beschädigt. Für Berlin und andere europäische Hauptstädte bedeutet dies, dass die transatlantische Abstimmung in der Region noch fragiler wird – und dass die Hoffnung auf eine stabile Nachkriegsordnung vorerst einer unkalkulierbaren Rivalität zwischen Verbündeten weichen muss.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Rechtsgerichtete israelische Kreise aus dem Umfeld Netanyahus sind wütend, nennen Trump einen Verlierer und bezichtigen Washington des Verrats, weil es ein Friedensabkommen mit dem Iran geschlossen hat. Sie betrachten die Vereinbarung als Verrat, der Israel bloßstellt und die Kriegsstrategie des Premierministers kurz vor den Wahlen untergräbt.
Die Spannungen zwischen Präsident Trump und Premierminister Netanyahu haben einen Siedepunkt erreicht, da das Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran ihre gegensätzlichen Ziele offenlegt. Während Trump den Sieg für sich beansprucht, den iranischen Nuklearpfad gestoppt zu haben, hat sich Netanyahus Wette, die Region durch Krieg neu zu gestalten, als Bumerang erwiesen: Israel steckt im Libanon fest, und das Bündnis ist belastet.
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