
Nato-Gipfel in Ankara: USA mahnen Tempo bei Verteidigungsausgaben an, Italien dementiert Blockade
Vor dem Treffen in der Türkei warnt Washingtons Botschafter vor säumigen Partnern, während Rom Vorwürfe zu Ukraine-Hilfen zurückweist und Berlin Selbstbewusstsein signalisiert.
Wenige Tage vor dem Nato-Gipfel in Ankara am 7. und 8. Juli hat der amerikanische Botschafter bei der Allianz, Matthew Whitaker, mehrere Mitgliedstaaten öffentlich als „hinterherhinkend“ beim vereinbarten Ziel von fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung bezeichnet. Aus Washingtoner Sicht sei der Gipfel eine „Zeugniskarte“ für die Fortschritte seit dem Haager Verteidigungsversprechen des Vorjahres. Whitaker nannte Polen, die nordischen und baltischen Staaten sowie Deutschland als führend, während andere Verbündete entweder derzeit zu wenig ausgäben oder keinen glaubwürdigen Pfad zur Zielmarke vorwiesen. Konkret äußerte er, Präsident Donald Trump sei „enttäuscht von Spanien“ – sowohl wegen der verweigerten Nutzung von Stützpunkten im Iran-Konflikt als auch wegen fehlender Ausgabenperspektive. Whitaker schloss mögliche Maßnahmen gegen säumige Partner nicht aus, ohne diese zu benennen.
Aus europäischer Perspektive treten die Bewertungen auseinander. Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni berief Außenminister Antonio Tajani, Verteidigungsminister Guido Crosetto und Wirtschaftsminister Giancarlo Giorgetti zu einer vorbereitenden Sitzung ein. Regierungskreisen zufolge wird Italien in Ankara eine Verteidigungsquote von 2,8 Prozent vorlegen, deren Anstieg um 0,71 Prozentpunkte vor allem auf Ausgaben für die innere Sicherheit zurückgeht. Zugleich wies Rom Darstellungen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zurück, wonach sich Italien im Entwurf der Abschlusserklärung gegen finanzielle Verpflichtungen für Waffenlieferungen an die Ukraine über 2026 hinaus sperre. Italienische Quellen erklärten, es sei lediglich um Formulierungen gegangen, die diplomatische Spielräume gegenüber Russland nicht verengen sollten; der Einwand sei seit Tagen ausgeräumt und Rom werde dem finalen Text zustimmen.
Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz zeigte sich mit Blick auf den Gipfel selbstbewusst. Aus Berliner Sicht sei die Botschaft an Washington: „Ihr seid auf uns angewiesen, wir sind auf euch angewiesen.“ Nato-Generalsekretär Mark Rutte räumte eine „gewisse Enttäuschung“ im Weißen Haus über europäische Partner in der Iran-Frage ein, betonte jedoch, Europa bleibe für die USA die einzige große Plattform zur Machtprojektion mit tausenden Flügen von europäischen Basen. Ein nicht namentlich genannter Nato-Vertreter ergänzte gegenüber Reuters, die europäischen Mitglieder hätten nahezu alle Lücken geschlossen, die die USA in den Verteidigungsplänen hinterlassen hätten; einzig bei strategischen Bombern bestehe noch eine Differenz.
Für die Türkei als Gastgeber signalisierte Botschafter Whitaker den Wunsch nach einer Vertiefung der Verteidigungsbeziehungen und nannte Ankara einen „sehr fähigen Verbündeten“. Auf der Agenda des Gipfels stehen neben der Lastenverteilung auch weitere Unterstützung für die Ukraine – Washington erwartet „substanzielle“ Ankündigungen – sowie der Ausbau der Rüstungsindustrie. Erstmals wird ein Nato-Verteidigungsindustrie-Forum mit Vertretern der Mitgliedstaaten und führenden Unternehmen stattfinden. Aus amerikanischer Sicht ist dabei zentral, dass europäische Initiativen keine protektionistischen Hürden für US-Firmen errichten.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Der kontinentaleuropäische Block berichtet nicht über die US-Warnung an die NATO, sondern konzentriert sich auf innenpolitische Themen wie die Verteidigung der europäischen Industrie gegen amerikanische digitale Spekulation. Die Berichterstattung ist fragmentiert und ohne klare Linie zur NATO-Frage.
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