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Ausgabe von 06:00 CETFreitag, 10. Juli 2026
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Gesellschaft & KulturMittwoch, 8. Juli 2026

Märchenbücher, Granatäpfel und Rüstungen: Wenn Mode Geschichten erzählt

In Paris und Beirut inszenieren Couturiers und Eventdesigner die Haute Couture und das Fest als intime Erzählung – mit Fundstücken aus Bibliotheken, Tausenden von Früchten und der Erinnerung an einen Vater.

Ein Buch, kaum größer als eine Handfläche, lag in der geöffneten Hand der ersten Mannequin, als sie im Grand Palais den Laufsteg betrat. Es war kein Requisit, sondern ein originaler Band aus der Privatbibliothek von Gabrielle Chanel: „Les Fées – Contes des Contes“ von Charles Perrault. Mit dieser Geste eröffnete Matthieu Blazy seine zweite Haute-Couture-Kollektion für das Haus Chanel und setzte ein Zeichen, das weit über die märchenhafte Kulisse aus riesigen Blumen und Kletterpflanzen hinauswies. Die Kollektion mit dem Titel „Gaby and the Beanstalk“ verstand das Märchen nicht als Flucht in die Fantasie, sondern als Metapher für jene stillen Fiktionen, die jede Frau um sich herum webt – in den Dingen, die sie aufbewahrt, und in den Gesten, die nur sie selbst kennt.

Diese Verschiebung vom reinen Spektakel zur persönlichen Erzählung prägte auch andere Auftritte während der Pariser Haute-Couture-Woche. Der saudi-arabische Designer Mohammed Ashi zeigte mit seinem Label Ashi Studio eine Kollektion, die Korsagen wie antike Rüstungen wirken ließ – glänzend, skulptural und doch von einer untergründigen Fragilität. Die Entwürfe zitierten viktorianische Silhouetten und militärische Anklänge, ohne sich in historisierenden Kostümen zu verlieren. Stattdessen entstand, so beschrieben es Beobachter aus der arabischen Modepresse, ein „Dialog zwischen Geschichte und Fantasie“, bei dem jedes Teil eine eigene Figur mit eigener Biografie zu verkörpern schien. Im Publikum saß die Sängerin Tiana Taylor, selbst in einem Couture-Ensemble der vorherigen Saison, und wurde in den sozialen Medien zur meistgeteilten Protagonistin des Abends.

Dass die Suche nach erzählerischer Tiefe längst nicht mehr auf den Laufsteg beschränkt ist, zeigte zeitgleich eine Verlobungsfeier in Beirut. Die libanesische Hochzeitsplanerin Saria Younes ließ 8.000 Granatäpfel und 9.500 Äpfel von Hand bemalen und mit einer Schutzschicht überziehen, um sie als architektonische Elemente in das Dekor zu integrieren. Die Früchte waren nicht bloß dekorativ, sondern verwiesen auf ihre symbolische Bedeutung in der nahöstlichen Kultur: Liebe, Fülle und Neuanfang. Younes erklärte gegenüber CNN, es sei darum gegangen, „die einfachsten natürlichen Elemente in etwas Außergewöhnliches zu verwandeln, wenn sie durch eine andere kreative Vision präsentiert werden“. Nicht die Frucht an sich sei der Trend, sondern das Erzählen einer Geschichte – künftig könnten es ebenso Stein, Stoff oder Papier sein.

Was in Paris und Beirut als inszenierte Erzählung sichtbar wurde, findet seine Entsprechung in einer stilleren, aber nicht weniger radikalen Praxis. Die saudi-arabische Designerin Nusseibeh Hafez begann ihre Arbeit mit einem sehr persönlichen Akt: Nach dem Tod ihres Vaters bewahrte sie dessen Krawatten auf und nähte daraus Kleider und Röcke für ihre Schwestern. Heute bildet das Upcycling von Materialien – von Tischdecken, die zu Kimonos werden, bis zu Stoffresten, die als Taschen weiterleben – den Kern ihres Schaffens. Hafez betrachtet Handwerk und Stickerei als eine Sprache, „in der jede Naht Geschichte, Gefühl und Identität trägt“. Sie verortet sich in einer jungen saudischen Kreativszene, die, wie sie sagt, nicht mehr von einer einzigen dominanten Erzählung geprägt sei, sondern von einer Vielzahl von Stimmen.

Im Grand Palais fand diese Suche nach dem Verborgenen ihren vielleicht intimsten Ausdruck. In die Futter der Chanel-Jacken waren gemalte Bilder und gestickte Einkaufslisten eingenäht, in Taschen steckten Zettel und Anhänger – Alltagsrelikte, die nur die Trägerin kennt. Ausgefranste Säume zitierten die Angewohnheit der Gründerin, ihre Entwürfe bei Anproben mit Stecknadeln zu fixieren. So wurde das Märchen nicht auf der Bühne erzählt, sondern in den unsichtbaren Schichten der Kleidung versteckt – als eine Geschichte, die sich erst beim zweiten Blick, und nur derjenigen offenbart, die das Kleidungsstück tatsächlich bewohnt.

Divergenz — wer erzählt sie wie
5%Niedrig
4 Blöcke · Positionen von +0.50 bis +0.60
KritischWohlwollend
ALMGLFLATEUR
Abweichung zwischen Presseblöcken
Arabische Levante-Maghreb-Presse+0.60aligned
Arabische Golfpresse+0.50aligned
Lateinamerikanische Presse+0.50aligned
Kontinentaleuropäische Presse+0.60aligned
Arabische Levante-Maghreb-Presse+0.60
Stimme

Der saudische Couturier und das französische Maison schreiben persönliche Geschichten durch Kunst und Erinnerung neu.

Mechanismuselevazione artistica

Es wird eine Parallele zwischen der saudischen Handwerkstradition und dem Erbe von Chanel gezogen, die beide unter dem Zeichen der Haute Couture als kulturellen Ausdruck vereint.

Auslassung

Der Block übersieht die persönlichen und intimen Geschichten, die mit Mode verbunden sind, wie die Erinnerung an einen Vater oder Familienfeiern, und konzentriert sich stattdessen auf den spektakulären und künstlerischen Aspekt der Shows.

TriumphPragmatismus
Arabische Golfpresse+0.50
Stimme

Persönliche Geschichten und kulturelle Traditionen verleihen der Mode neues Leben und verwandeln Alltagsgegenstände in Symbole der Zuneigung und Identität.

Mechanismuspersonalizzazione

Die emotionale Bindung zwischen Objekten und Menschen wird betont, wodurch Mode durch intime Erzählungen zugänglich und bedeutungsvoll wird.

Auslassung

Der Block lässt den Kontext großer Haute-Couture-Shows und deren künstlerische Bedeutung außer Acht und konzentriert sich ausschließlich auf persönliche und lokale Initiativen.

TriumphPragmatismus
Lateinamerikanische Presse+0.50
Stimme

Chanel's Mode wird zu einem modernen Märchen, in dem jedes Kleidungsstück eine persönliche und universelle Geschichte erzählt.

Mechanismusmetaforizzazione

Das Märchenbuch wird als symbolisches Objekt verwendet, um die Kollektion mit der literarischen Tradition und der intimen Sphäre zu verbinden und die Mode zu einer narrativen Kunstform zu erheben.

Auslassung

Der Block ignoriert andere persönliche und kulturelle Erzählungen, die in anderen Blöcken vorhanden sind, und konzentriert sich ausschließlich auf Chanels Interpretation von Märchen.

TriumphDistanz
Kontinentaleuropäische Presse+0.60
Stimme

Das Maison Chanel schöpft aus seinem eigenen kulturellen Erbe und der Literatur, um eine Kollektion zu schaffen, die von Träumen und Realität spricht.

Mechanismuseredità culturale

Die direkte Verbindung zur Gründerin durch einen persönlichen Gegenstand wird betont, wodurch die Kollektion als Fortsetzung ihrer Vision authentifiziert wird.

Auslassung

Der Block übersieht Geschichten anderer Designer und persönliche Erzählungen, die mit Alltagsgegenständen verbunden sind, und konzentriert sich ausschließlich auf Chanels Erzählung.

TriumphPragmatismus

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Mittwoch, 8. Juli 2026

Märchenbücher, Granatäpfel und Rüstungen: Wenn Mode Geschichten erzählt

In Paris und Beirut inszenieren Couturiers und Eventdesigner die Haute Couture und das Fest als intime Erzählung – mit Fundstücken aus Bibliotheken, Tausenden von Früchten und der Erinnerung an einen Vater.

Ein Buch, kaum größer als eine Handfläche, lag in der geöffneten Hand der ersten Mannequin, als sie im Grand Palais den Laufsteg betrat. Es war kein Requisit, sondern ein originaler Band aus der Privatbibliothek von Gabrielle Chanel: „Les Fées – Contes des Contes“ von Charles Perrault. Mit dieser Geste eröffnete Matthieu Blazy seine zweite Haute-Couture-Kollektion für das Haus Chanel und setzte ein Zeichen, das weit über die märchenhafte Kulisse aus riesigen Blumen und Kletterpflanzen hinauswies. Die Kollektion mit dem Titel „Gaby and the Beanstalk“ verstand das Märchen nicht als Flucht in die Fantasie, sondern als Metapher für jene stillen Fiktionen, die jede Frau um sich herum webt – in den Dingen, die sie aufbewahrt, und in den Gesten, die nur sie selbst kennt.

Diese Verschiebung vom reinen Spektakel zur persönlichen Erzählung prägte auch andere Auftritte während der Pariser Haute-Couture-Woche. Der saudi-arabische Designer Mohammed Ashi zeigte mit seinem Label Ashi Studio eine Kollektion, die Korsagen wie antike Rüstungen wirken ließ – glänzend, skulptural und doch von einer untergründigen Fragilität. Die Entwürfe zitierten viktorianische Silhouetten und militärische Anklänge, ohne sich in historisierenden Kostümen zu verlieren. Stattdessen entstand, so beschrieben es Beobachter aus der arabischen Modepresse, ein „Dialog zwischen Geschichte und Fantasie“, bei dem jedes Teil eine eigene Figur mit eigener Biografie zu verkörpern schien. Im Publikum saß die Sängerin Tiana Taylor, selbst in einem Couture-Ensemble der vorherigen Saison, und wurde in den sozialen Medien zur meistgeteilten Protagonistin des Abends.

Dass die Suche nach erzählerischer Tiefe längst nicht mehr auf den Laufsteg beschränkt ist, zeigte zeitgleich eine Verlobungsfeier in Beirut. Die libanesische Hochzeitsplanerin Saria Younes ließ 8.000 Granatäpfel und 9.500 Äpfel von Hand bemalen und mit einer Schutzschicht überziehen, um sie als architektonische Elemente in das Dekor zu integrieren. Die Früchte waren nicht bloß dekorativ, sondern verwiesen auf ihre symbolische Bedeutung in der nahöstlichen Kultur: Liebe, Fülle und Neuanfang. Younes erklärte gegenüber CNN, es sei darum gegangen, „die einfachsten natürlichen Elemente in etwas Außergewöhnliches zu verwandeln, wenn sie durch eine andere kreative Vision präsentiert werden“. Nicht die Frucht an sich sei der Trend, sondern das Erzählen einer Geschichte – künftig könnten es ebenso Stein, Stoff oder Papier sein.

Was in Paris und Beirut als inszenierte Erzählung sichtbar wurde, findet seine Entsprechung in einer stilleren, aber nicht weniger radikalen Praxis. Die saudi-arabische Designerin Nusseibeh Hafez begann ihre Arbeit mit einem sehr persönlichen Akt: Nach dem Tod ihres Vaters bewahrte sie dessen Krawatten auf und nähte daraus Kleider und Röcke für ihre Schwestern. Heute bildet das Upcycling von Materialien – von Tischdecken, die zu Kimonos werden, bis zu Stoffresten, die als Taschen weiterleben – den Kern ihres Schaffens. Hafez betrachtet Handwerk und Stickerei als eine Sprache, „in der jede Naht Geschichte, Gefühl und Identität trägt“. Sie verortet sich in einer jungen saudischen Kreativszene, die, wie sie sagt, nicht mehr von einer einzigen dominanten Erzählung geprägt sei, sondern von einer Vielzahl von Stimmen.

Im Grand Palais fand diese Suche nach dem Verborgenen ihren vielleicht intimsten Ausdruck. In die Futter der Chanel-Jacken waren gemalte Bilder und gestickte Einkaufslisten eingenäht, in Taschen steckten Zettel und Anhänger – Alltagsrelikte, die nur die Trägerin kennt. Ausgefranste Säume zitierten die Angewohnheit der Gründerin, ihre Entwürfe bei Anproben mit Stecknadeln zu fixieren. So wurde das Märchen nicht auf der Bühne erzählt, sondern in den unsichtbaren Schichten der Kleidung versteckt – als eine Geschichte, die sich erst beim zweiten Blick, und nur derjenigen offenbart, die das Kleidungsstück tatsächlich bewohnt.

Divergenz — wer erzählt sie wie
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Abweichung zwischen Presseblöcken
Arabische Levante-Maghreb-Presse+0.60aligned
Arabische Golfpresse+0.50aligned
Lateinamerikanische Presse+0.50aligned
Kontinentaleuropäische Presse+0.60aligned
Arabische Levante-Maghreb-Presse+0.60
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Der saudische Couturier und das französische Maison schreiben persönliche Geschichten durch Kunst und Erinnerung neu.

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Es wird eine Parallele zwischen der saudischen Handwerkstradition und dem Erbe von Chanel gezogen, die beide unter dem Zeichen der Haute Couture als kulturellen Ausdruck vereint.

Auslassung

Der Block übersieht die persönlichen und intimen Geschichten, die mit Mode verbunden sind, wie die Erinnerung an einen Vater oder Familienfeiern, und konzentriert sich stattdessen auf den spektakulären und künstlerischen Aspekt der Shows.

TriumphPragmatismus
Arabische Golfpresse+0.50
Stimme

Persönliche Geschichten und kulturelle Traditionen verleihen der Mode neues Leben und verwandeln Alltagsgegenstände in Symbole der Zuneigung und Identität.

Mechanismuspersonalizzazione

Die emotionale Bindung zwischen Objekten und Menschen wird betont, wodurch Mode durch intime Erzählungen zugänglich und bedeutungsvoll wird.

Auslassung

Der Block lässt den Kontext großer Haute-Couture-Shows und deren künstlerische Bedeutung außer Acht und konzentriert sich ausschließlich auf persönliche und lokale Initiativen.

TriumphPragmatismus
Lateinamerikanische Presse+0.50
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Chanel's Mode wird zu einem modernen Märchen, in dem jedes Kleidungsstück eine persönliche und universelle Geschichte erzählt.

Mechanismusmetaforizzazione

Das Märchenbuch wird als symbolisches Objekt verwendet, um die Kollektion mit der literarischen Tradition und der intimen Sphäre zu verbinden und die Mode zu einer narrativen Kunstform zu erheben.

Auslassung

Der Block ignoriert andere persönliche und kulturelle Erzählungen, die in anderen Blöcken vorhanden sind, und konzentriert sich ausschließlich auf Chanels Interpretation von Märchen.

TriumphDistanz
Kontinentaleuropäische Presse+0.60
Stimme

Das Maison Chanel schöpft aus seinem eigenen kulturellen Erbe und der Literatur, um eine Kollektion zu schaffen, die von Träumen und Realität spricht.

Mechanismuseredità culturale

Die direkte Verbindung zur Gründerin durch einen persönlichen Gegenstand wird betont, wodurch die Kollektion als Fortsetzung ihrer Vision authentifiziert wird.

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