
Letzter flüchtiger Offizier im Mordfall Víctor Jara in Chile gefasst
Mehr als ein halbes Jahrhundert nach der Ermordung des Volkssängers Víctor Jara nahm die chilenische Polizei den letzten verurteilten, aber flüchtigen Ex-Offizier Nelson Haase Mazzei im Süden des Landes fest.
Die chilenische Polizei hat am Samstag den pensionierten Oberst Nelson Haase Mazzei in der ländlichen Gemeinde Puyehue in der Region Los Lagos festgenommen. Nach Angaben der chilenischen Justiz war Haase Mazzei der letzte noch flüchtige von sieben ehemaligen Militärangehörigen, die im August 2023 in Abwesenheit wegen der Entführung, Folter und Ermordung des Sängers Víctor Jara sowie des damaligen Gefängnisdirektors Littré Quiroga zu Haftstrafen verurteilt worden waren. Das Oberste Gericht Chiles hatte das Strafmaß für Haase Mazzei auf 25 Jahre festgesetzt – 15 Jahre wegen Mordes und 10 Jahre wegen Entführung. Der 80-Jährige war unmittelbar nach der Urteilsverkündung untergetaucht und entzog sich fast drei Jahre lang der Strafverfolgung.
Aus Sicht der Stiftung Víctor Jara, die von der 2023 verstorbenen Witwe des Sängers, Joan Jara, gegründet wurde, ist die Festnahme ein längst überfälliger Schritt. In einer Stellungnahme begrüßte die Stiftung die Nachricht, betonte jedoch, dass ein halbes Jahrhundert nach den Morden „kaum von Gerechtigkeit gesprochen werden“ könne. Die Verteidigung des Festgenommenen beantragte unterdessen umgehend seine Verlegung aus dem Gefängnis von Osorno in die Haftanstalt Punta Peuco nördlich von Santiago – eine eigens für Menschenrechtsverbrecher der Pinochet-Ära errichtete Einrichtung mit vergleichsweise komfortablen Haftbedingungen.
Der Fall Víctor Jara gilt als eines der emblemischsten Verbrechen der 17-jährigen Militärdiktatur unter Augusto Pinochet. Jara, eine Leitfigur der „Nueva Canción Chilena“ und überzeugter Anhänger des gestürzten sozialistischen Präsidenten Salvador Allende, wurde am 11. September 1973, dem Tag des von den USA unterstützten Putsches, verhaftet und zusammen mit Tausenden anderen im Estadio Chile festgehalten. Dort wurde er gefoltert, seine Hände wurden zertrümmert, und am 16. September wurde er mit 44 Schüssen getötet. Sein Leichnam wies 56 Knochenbrüche auf. Die juristische Aufarbeitung zog sich über Jahrzehnte hin. Von den sieben 2023 verurteilten Offizieren nahm sich General Hernán Chacón bei der versuchten Festnahme das Leben; Oberstleutnant Pedro Barrientos wurde im selben Jahr aus den Vereinigten Staaten ausgeliefert, nachdem ihm ein Geschworenengericht in Florida die Verantwortung für die Folter und Tötung Jaras zugeschrieben hatte.
Die Festnahme Haase Mazzeis fällt in eine Phase anhaltender Bemühungen, die Verbrechen der Diktatur aufzuarbeiten. Nach offiziellen Angaben hinterließ das Regime mehr als 40.000 Opfer, darunter über 3.200 Tote und Verschwundene. Erst kürzlich bestätigte die chilenische Justiz durch einen DNA-Abgleich, dass eine seit 1973 als verschwunden geltende Lehrerin, Bernarda Vera, lebend in der argentinischen Stadt Mar del Plata aufgefunden wurde. Ihr Name war im nationalen Suchplan für Verschwundene verzeichnet. Die Ermittlungen zu ihrem Verbleib nach der sogenannten „Massaker von Liquiñe“ im Oktober 1973 dauern an. Im Fall Jara ist mit der Inhaftierung des letzten Flüchtigen der strafrechtliche Teil weitgehend abgeschlossen; die Debatte über die Angemessenheit der späten Urteile und die Haftbedingungen der Verurteilten wird in der chilenischen Öffentlichkeit jedoch fortgeführt.
| Atlantische / angloamerikanische Presse | +0.20 | neutral |
|---|---|---|
| Lateinamerikanische Presse | −0.40 | critical |
| Iranische & verwandte Presse | +0.10 | neutral |
Chilean justice has closed a half-century circle, showing that no crime remains unpunished.
By presenting the arrest as the result of an impeccable judicial process, it legitimizes the Chilean legal system and avoids any political discussion.
The Atlantic bloc omits the broader context of human rights violations during the dictatorship, focusing solely on the judicial case.
Chile still has to reckon with its dictatorial past, and each capture is a step toward memory and reparation.
By emphasizing the torture details and linking the case to other disappearances, it creates a narrative of systemic injustice that demands ongoing commitment.
Justice has reached even the last fugitive, showing that past crimes are not forgotten.
By reporting the facts dryly and without political commentary, the story is presented as a normal judicial news item, universalizing the notion of justice.
The Iranian bloc omits the political context of the Pinochet dictatorship and human rights violations, focusing only on legal aspects.
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