
Iran nach VAR-Drama in Seattle: Taremi geißelt „desaströse“ WM und logistische Schikanen
Nach einem aberkannten Siegtor in der Nachspielzeit kritisiert der iranische Kapitän die FIFA scharf und beklagt die Reisebeschränkungen zwischen Mexiko und den USA.
Es lief bereits die Nachspielzeit im Seattle Stadium, als der Iran doch noch den ersehnten Sieg und den direkten Einzug ins Achtelfinale vor Augen hatte. Nach einem Freistoß von der rechten Seite drückte Shoja Khalilzadeh den Ball aus kurzer Distanz über die Linie, doch der Jubel erstarb, noch bevor er richtig begonnen hatte. Der Schiedsrichterassistent hatte unmittelbar vor dem Abschluss die Fahne gehoben und auf Abseits entschieden; der Videobeweis konnte aufgrund des sofortigen Pfiffs nicht mehr eingreifen. Spätere Fernsehbilder legten nahe, dass sich Khalilzadeh nur um eine Fußspitze in verbotener Position befunden haben könnte. Zuvor hatte Kapitän Mehdi Taremi einen Handelfmeter vergeben und mit einem Kopfball die Latte getroffen. So endete die Partie gegen Ägypten 1:1 – das dritte Unentschieden der Iraner im dritten Gruppenspiel.
Damit schließt der Iran die Gruppe G mit drei Punkten auf dem dritten Rang ab, hinter Belgien und Ägypten, die beide fünf Zähler aufweisen. Das Weiterkommen hängt nun von den Samstagsspielen ab: Als einer der acht besten Gruppendritten muss das Team darauf hoffen, dass Kroatien, Algerien oder die Demokratische Republik Kongo nicht mehr punkten. Vor dem letzten Spieltag rangiert der Iran auf dem sechsten Platz dieser Sonderwertung, die ersten acht erreichen die Runde der letzten 32.
Nach dem Abpfiff trat Taremi mit scharfer Kritik an die Mikrofone. Aus iranischer Perspektive sei die Weltmeisterschaft ein „Desaster“, die FIFA habe seit Turnierbeginn keine der versprochenen Lösungen geliefert. Präsident Gianni Infantino habe nach dem Auftaktspiel gegen Neuseeland die Kabine besucht und Besserung zugesagt, doch die Gruppenphase ende, ohne dass sich etwas geändert habe. Der Kern der Klage ist ein logistischer Ausnahmezustand: Weil die US-Behörden 15 Mitgliedern der Delegation – darunter Betreuer und Logistiker – die Visa verweigerten, musste das Team sein ursprüngliches Quartier in Tucson, Arizona, aufgeben und ein Ausweichlager im mexikanischen Tijuana beziehen. Für jedes Spiel reist die Mannschaft über die Grenze ein, unterzieht sich stundenlangen Kontrollen und muss unmittelbar nach Abpfiff zurückkehren. Regeneration sei so kaum möglich, die Spieler litten unter Krämpfen und extremer Müdigkeit, erklärte Taremi. „Wer will uns helfen? Wenn sie wollen, dass wir rausfliegen – gut, dann gehen wir. Aber das ist nicht fair.“ Auch Nationaltrainer Amir Ghalenoei warf dem Gastgeberland eine unfaire Behandlung vor und forderte die FIFA auf, künftige Ausrichter zu einer anderen Praxis zu verpflichten.
Die Reisebeschränkungen fallen in eine Phase akuter geopolitischer Spannungen. Wenige Stunden vor dem Anpfiff hatten die USA Luftschläge gegen Ziele im Iran geflogen; beide Seiten warfen sich gegenseitig Verstöße gegen eine erst kürzlich vereinbarte Waffenruhe vor. Im Stadion waren zudem vorrevolutionäre Flaggen zu sehen, die Nationalhymne wurde von Teilen des Publikums ausgepfiffen. Die FIFA äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht. Für den Iran geht es nun um das sportliche Überleben: Sollte der Sprung unter die besten Acht der Gruppendritten gelingen, stünde am Donnerstag in Vancouver ein Duell mit der Schweiz an. Taremi appellierte an Infantino, in diesem Fall mehr zu unternehmen – die Mannschaft selbst könne nur auf dem Platz kämpfen.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Der iranische Kapitän beschuldigt FIFA und die USA offen, seine Mannschaft durch eine Verschwörung aus dem Turnier drängen zu wollen. Reisebeschränkungen und das aberkannte Tor werden als Teile eines größeren geopolitischen Manövers dargestellt, das den Platz zum Schauplatz des Widerstands gegen imperiale Ungerechtigkeit macht.
Irans Kapitän greift die FIFA an, nachdem ein grausamer VAR-Eingriff seinem Team die direkte Qualifikation verwehrte. Die Wut über das aberkannte Tor vermischt sich mit der Anprangerung einer desaströsen WM, doch die Erzählung bleibt in der Sportberichterstattung und ihren technischen Kontroversen verankert.
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