
Indiens Para-Gold und Kenias Steeple-Sweep: Die Commonwealth Games nehmen Fahrt auf
Mit sechs Medaillen an einem Tag klettert Indien auf Rang acht, während Kenia einen historischen Dreifachsieg feiert und Nigerias Gewichtheber ihre Dominanz fortsetzen.
Der sechste Wettkampftag der Commonwealth Games in Glasgow brachte eine Verschiebung der Kräfteverhältnisse: Indien katapultierte sich mit einem Sechsfach-Erfolg in die Top Ten, Kenia sicherte sich im 3000-Meter-Hindernislauf alle drei Podestplätze, und Nigeria untermauerte mit drei weiteren Goldmedaillen im Gewichtheben seine Stellung als führende afrikanische Nation. Im Scotstoun Stadium gelang Sharmila Dhankar der historische erste Para-Leichtathletik-Titel für Indien – sie gewann das Kugelstoßen der Klasse F57 mit einer Saisonbestleistung. Sarvesh Kushare fügte im Hochsprung der Männer Silber hinzu, während die Gewichtheberinnen Gyaneshwari Yadav, Valluri Ajaya Babu und Bindyarani Devi die Medaillenausbeute auf zehn Stück anhoben. Die indische Bilanz von zwei Gold-, fünf Silber- und drei Bronzemedaillen spiegelt eine breite Basis wider, die von den Kraftsportarten bis zur Leichtathletik reicht.
Aus afrikanischer Perspektive setzte Kenia die stärksten Akzente. Der 20-jährige Welt-U20-Meister Edmund Serem führte einen kenianischen Dreifachsieg über 3000 Meter Hindernis an und verwies seine Landsleute Simon Koech und Leonard Bett in 8:18,23 Minuten auf die Plätze. Diana Wanza hatte zuvor mit Silber über 10.000 Meter die erste Bahnmedaille für das Land gewonnen. Nigeria, das nach vier Tagen mit sechs Gold- und vier Silbermedaillen auf Rang vier lag, baute seine Vormachtstellung im Gewichtheben aus: Rafiatu Lawal (58 kg), Edidiong Umoafia (71 kg) und Onome Didih (53 kg) stellten allesamt Commonwealth-Rekorde auf. Ghanas erste Medaille – Silber durch die Para-Athletin Zinabu Issah im Kugelstoßen – wurde von der Ankündigung eines Bonussystems für Medaillengewinner durch den nationalen Paralympischen Verband flankiert.
Die asiatischen Gewichtheber-Nationen dominierten die Wettkämpfe im SEC Armadillo. Malaysias 22-jähriger Debütant Muhammad Hafizuddin Roslin stemmte in der 88-kg-Klasse insgesamt 345 kg und holte das vierte Gold für sein Land – alle in dieser Sportart. Indiens Gewichtheber trugen sechs der zehn Medaillen bei, darunter das dritte Commonwealth-Gold in Folge für Mirabai Chanu (48 kg) an den Vortagen. Diese Konzentration auf eine Disziplin unterstreicht die strategische Ausrichtung beider Länder, während andere Nationen wie Australien und England ihre Stärke in der Breite ausspielen.
Im Medaillenspiegel führt Australien mit 59 Medaillen (26 Gold) souverän vor England (32) und Kanada (21). Nigeria behauptet mit zehn Medaillen den vierten Platz und liegt damit vor Gastgeber Schottland (11 Medaillen, aber weniger Gold) sowie Südafrika und Malaysia. Indien rückte auf Rang acht vor. Die Leichtathletik-Entscheidungen des Tages – darunter die 100-Meter-Finals – versprechen weitere Verschiebungen, zumal Nigerias Sprinter Favour Ashe und Kayinsola Ajayi sowie Kenias Titelverteidiger Ferdinand Omanyala in den Halbfinals überzeugten.
Für den kommenden Tag stehen Box-Viertelfinals an, in denen fünf indische Athleten um mindestens Bronze kämpfen, während Nigerias Sprinterinnen und Hochspringerinnen Medaillenchancen in der Leichtathletik haben. Kenias Mittelstreckler um Wyclife Kinyamal peilen den Finaleinzug über 800 Meter an. Die Spiele in Glasgow, die mit einem abgespeckten Programm an vier Standorten ausgetragen werden, gewinnen damit an sportlicher Dichte – und die Rivalität der aufstrebenden Nationen verlagert sich zunehmend auf die Bahn und in den Ring.
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