
Haiti: Entführung eines Spitzenbeamten in sicher geglaubtem Viertel zeigt Macht der Gangs
James Boyard, Kabinettsdirektor des Verteidigungsministeriums und Generalinspekteur der Polizei, wurde in Bourdon verschleppt – ein Beleg für die Ohnmacht des Staates gegenüber der als Terrororganisation eingestuften Koalition Viv Ansanm.
Am Donnerstag wurde James Boyard, Kabinettsdirektor des haitianischen Verteidigungsministeriums und zugleich Generalinspekteur der nationalen Polizei, in Port-au-Prince von bewaffneten Männern entführt. Die Tat ereignete sich im Viertel Bourdon, das bislang als eine der wenigen relativ sicheren Enklaven der Hauptstadt galt. Boyard, ein angesehener Sicherheitsexperte, ist der ranghöchste Beamte, der in dem von Bandengewalt zerrissenen Karibikstaat seit Jahren Opfer einer solchen Entführung wurde. Die Nachricht wurde am Samstag von einer mit dem Fall vertrauten Person gegenüber der Associated Press bestätigt.
Die Entführung unterstreicht die dramatische Erosion staatlicher Autorität. Schätzungen zufolge kontrolliert die mächtige Bandenkoalition Viv Ansanm rund 70 Prozent der Hauptstadtregion. Washington hatte das Bündnis im Mai vergangenen Jahres offiziell als ausländische Terrororganisation eingestuft, um Finanzströme zu kappen und die kriminellen Strukturen zu schwächen. Aus Sicht der US-Regierung sollte diese Maßnahme den Druck auf die Gangs erhöhen; die jüngste Tat zeigt jedoch, dass die bewaffneten Gruppen weiterhin ungehindert operieren und selbst hochrangige Sicherheitsverantwortliche nicht verschonen.
In europäischen Hauptstädten wird der Vorfall mit Sorge registriert. Deutschland, Österreich und die Schweiz engagieren sich seit Jahren humanitär und entwicklungspolitisch in Haiti, unter anderem über UN-Programme und Nichtregierungsorganisationen. Die anhaltende Instabilität gefährdet diese Bemühungen und wirft Fragen nach der Wirksamkeit internationaler Stabilisierungsstrategien auf. Beobachter in der Karibikregion warnen vor einer weiteren Destabilisierung mit möglichen Migrationsbewegungen. Auch in Peking, das als ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrats über die Mandate für Haiti mitentscheidet, dürfte der Fall die Skepsis gegenüber rein polizeilichen Ansätzen nähren.
Die Entführung Boyards, der selbst mit der Reform der Polizei betraut war, offenbart die tiefe Durchdringung des Staatsapparats durch kriminelle Netzwerke. Die geplante multinationale Sicherheitsmission unter kenianischer Führung, die der Sicherheitsrat im vergangenen Jahr genehmigt hat, steht vor einem schwierigen Umfeld. Solange es den Gangs gelingt, selbst in geschützten Zonen zuzuschlagen, bleibt die Aussicht auf eine Rückkehr zu rechtsstaatlichen Verhältnissen gering. Internationale Partner werden ihre Strategie überdenken müssen, um nicht nur Symptome zu bekämpfen, sondern den politischen und sozialen Nährboden der Bandengewalt auszutrocknen.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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In einem erschreckenden Vorfall, der die außer Kontrolle geratene Sicherheitslage in Haiti offenbart, haben bewaffnete Männer einen hochangesehenen Sicherheitsexperten und leitenden Verteidigungsbeamten aus einer bislang als ruhig geltenden Zone entführt. Die Entführung einer derart respektierten Persönlichkeit wird als seltene Eskalation gewertet und schürt die Besorgnis über den ungehemmten Einfluss der Banden in dem karibischen Staat.
Chinesische Staatsmedien berichteten in einem nüchternen Ton über den Vorfall und erwähnten lediglich, dass ein hochrangiger Beamter des Verteidigungsministeriums und Polizeiinspektor in einem der sichereren Viertel der Hauptstadt ergriffen wurde. Die Meldung betont die Seltenheit einer solchen hochrangigen Entführung und enthält sich emotionaler Zuschreibungen.
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