
Ghanas Last-Minute-Coup: Yirenkyi lässt Panama verzweifeln
Ein Treffer in der 95. Minute beschert den Black Stars einen 1:0-Sieg zum WM-Auftakt und offenbart Panamas chronische Abschlussschwäche.
Es war ein Spiel, das 94 Minuten lang auf ein torloses Remis zusteuerte – und dann mit einem einzigen Konter die gesamte Gruppe L durcheinanderwirbelte. Caleb Yirenkyi, ein 20-jähriger Mittelfeldspieler, vollendete in der fünften Minute der Nachspielzeit einen blitzschnellen Gegenstoß: Brandon Thomas-Asante trieb den Ball über die linke Seite in den Strafraum und legte quer, Yirenkyi schob aus kurzer Distanz ein. Der Treffer bescherte Ghana einen 1:0-Sieg über Panama und war zugleich das erste Pflichtspieltor des jungen Profis. Ghanas portugiesischer Trainer Carlos Queiroz lobte anschließend die taktische Reife seiner Mannschaft: „Wir haben das Spiel mit unserem Kopf gewonnen.“
Dabei hatte sich die Partie im BMO Field von Toronto über weite Strecken als technisch limitiertes Duell präsentiert. Panama, das bei seiner zweiten WM-Teilnahme weiter auf den ersten Punktgewinn der Geschichte wartet, begann druckvoll: Cecilio Waterman scheiterte bereits nach zwei Minuten an Ghanas Schlussmann Lawrence Ati Zigi, César Blackman prüfte die Abwehr kurz darauf. Doch die Mittelamerikaner, die phasenweise mehr Ballbesitz und Abschlüsse verzeichneten, litten erneut an ihrer notorischen Ineffizienz vor dem Tor. Ghana wiederum musste zur Halbzeit einen schweren Rückschlag verkraften, als Ati Zigi verletzt ausschied und durch den unerfahrenen Ersatzkeeper ersetzt wurde. Unter einsetzendem Dauerregen blieb das Geschehen auch im zweiten Durchgang zerfahren, ehe der späte Nadelstich die afrikanische Bank in Ekstase versetzte.
Aus lateinamerikanischer Perspektive überwiegen Enttäuschung und Selbstkritik. Medien von Mexiko-Stadt bis Buenos Aires beklagen, dass Panama „in letzter Sekunde bestohlen“ wurde und sich einmal mehr für fehlende Kaltschnäuzigkeit bestraft sah. Die Canaleros, die 2018 alle drei Gruppenspiele verloren hatten, stehen nun vor der kaum lösbaren Aufgabe, gegen Kroatien und England zu bestehen. Afrikanische Beobachter hingegen feiern den Coup als Beleg für die wachsende Widerstandskraft des Kontinents: Nach dem Auftaktsieg der Elfenbeinküste gegen Ecuador ist Ghana bereits die zweite afrikanische Nation, die bei diesem Turnier drei Punkte einfährt – hinzu kommen respektable Remis von Kap Verde gegen Spanien, Marokko gegen Brasilien, Ägypten gegen Belgien und der DR Kongo gegen Portugal. In europäischen Analysen wird der späte Sieg vor allem mit Blick auf die Gruppenkonstellation eingeordnet: England hatte zuvor Kroatien mit 4:2 deklassiert, sodass Ghana nun punktgleich, aber mit schlechterer Tordifferenz auf Rang zwei liegt.
Für den weiteren Turnierverlauf ergeben sich daraus klare Szenarien. Ghana trifft am kommenden Dienstag in Boston auf England – ein Duell, das für die Black Stars zur ersten echten Reifeprüfung wird und bei einer Niederlage den Druck vor dem abschließenden Spiel gegen Kroatien massiv erhöhen würde. Panama muss ebenfalls am Dienstag, erneut in Toronto, gegen Kroatien antreten und steht bereits mit dem Rücken zur Wand. Die von Thomas Christiansen betreute Auswahl benötigt dringend Zählbares, will sie nicht frühzeitig alle Hoffnungen auf das Achtelfinale begraben. Dass Afrika in der Breite so konkurrenzfähig auftritt, nährt derweil die Debatte über eine mögliche Aufstockung der WM-Startplätze für den Kontinent – ein Thema, das auch in deutschsprachigen Verbänden mit Interesse verfolgt wird, schließlich könnten künftige Reformen die Zusammensetzung globaler Turniere nachhaltig verändern.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Ghanas Last-Minute-Sieg über Panama sicherte nicht nur drei entscheidende Punkte, sondern stellte auch Nigerias Weltcup-Rekord ein und untermauerte Afrikas starken Turnierstart. Die Beharrlichkeit der Black Stars zahlte sich in der Nachspielzeit aus und setzte eine kontinentale Welle positiver Ergebnisse fort, zu der auch der frühere Sieg der Elfenbeinküste und mehrere beachtliche Unentschieden zählen.
Panama dominierte weite Strecken des Spiels, bezahlte aber teuer für die mangelnde Chancenverwertung und unterlag durch ein herzzerreißendes Tor in der Nachspielzeit. Die Niederlage lässt sie wenige Sekunden vor einem historischen ersten WM-Punkt mit leeren Händen zurück und versetzt ihren Hoffnungen auf ein Weiterkommen einen schweren Dämpfer.
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