
Usbekistans WM-Premiere: Cannavaros Team als Botschafter eines neuen Staates
Mit Fabio Cannavaro auf der Bank und Milliardeninvestitionen im Rücken debütiert die zentralasiatische Republik auf der größten Fußballbühne – und trifft gleich auf Kolumbien.
Zum ersten Mal in seiner Geschichte steht Usbekistan auf der ganz großen Fußballbühne. Im Aztekenstadion von Mexiko-Stadt, wo einst Pelé und Maradona Weltmeister wurden, eröffnen die „Weißen Wölfe“ am Donnerstag gegen Kolumbien ihre Gruppe K der WM 2026. An der Seitenlinie gibt ein italienischer Weltmeister die Kommandos: Fabio Cannavaro, Kapitän der Squadra Azzurra beim Triumph von Berlin 2006, der seine Trainerlaufbahn in Asien neu erfunden hat und nun erstmals als Coach auf der WM-Bank sitzt. Der 50-Jährige warnte bereits vor der kolumbianischen Offensive um Luis Díaz und James Rodríguez – „zwei ikonische Spieler, die jederzeit ein Spiel verändern können“ – und weiß, dass sein Team als krasser Außenseiter in dieses Duell geht.
Doch der sportliche Aufstieg ist untrennbar mit einem staatlichen Großprojekt verwoben. Seit Präsident Shavkat Mirziyoyev das Schlagwort vom „Neuen Usbekistan“ ausgab, fließen Milliardensummen in Stadien, Akademien und die gezielte Internationalisierung des Fußballs. Aus italienischer Perspektive, wie sie etwa die Zeitung Domani einnimmt, wird die WM-Teilnahme zur glitzernden „Vetrina des Regimes“ – einer Schaufensterveranstaltung, die von der anhaltenden politischen Repression im Land ablenken soll. Kolumbianische Medien wiederum beschreiben die usbekische Mannschaft als eine von nationalen Helden getragene Auswahl, die ohne Ergebnisdruck antritt und das Turnier als reinen Erfahrungsgewinn betrachtet. Diese doppelte Lesart – Soft-Power-Instrument nach außen, identitätsstiftendes Prestigeobjekt nach innen – prägt den usbekischen Auftritt von Beginn an.
Sportlich ruhen die Hoffnungen auf einer Generation, die zunehmend in europäischen Ligen Fuß fasst. Kapitän und Stürmer Eldor Shomurodov sowie der junge Verteidiger Abdukodir Khusanov, der in der Premier League spielt, bilden das Rückgrat des Teams. Die Qualifikation verlief bemerkenswert stabil: Zehn Siege, fünf Unentschieden und nur eine Niederlage – jeweils hinter dem Iran auf Platz zwei. Beobachter in Asien verweisen darauf, dass Usbekistan als einzige ehemalige Sowjetrepublik das Ticket für Nordamerika löste, während Russland weiterhin suspendiert ist. Damit trägt das Land eine besondere regionale Symbolik in das auf 48 Teams aufgeblähte Turnier.
Für Cannavaro, dessen Trainerkarriere im Westen wenig Beachtung fand, in Asien aber hohes Ansehen genießt, ist die Partie gegen den erfahrenen WM-Teilnehmer Kolumbien eine doppelte Bewährungsprobe. Die Südamerikaner um Trainer Néstor Lorenzo kehren nach dem Fehlen 2022 mit neuem Schwung zurück und gelten als klarer Favorit. Doch die usbekische Delegation setzt auf jenen Kampfgeist, der ihr den Beinamen „Weiße Wölfe“ eingebracht hat. Gelingt eine Überraschung, würde das nicht nur die Fußballkarte Zentralasiens neu zeichnen, sondern auch Mirziyoyevs Modernisierungsnarrativ mit unerwarteter Wucht befeuern. So oder so ist Usbekistans Debüt mehr als ein Spiel – es ist die Visitenkarte eines Landes, das zwischen autoritärer Kontrolle und globaler Öffnung seinen Platz sucht.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Das WM-Debüt Usbekistans dient dem Regime als Schaufenster, das Milliarden in Stadien und Akademien investiert hat, um ein Bild der Modernität zu vermitteln. Hinter dem Fußballmärchen droht jedoch der Schatten politischer Unterdrückung und fehlender Freiheit. Die Verpflichtung Cannavaros ist nur ein weiterer Baustein einer Soft-Power-Strategie, die internationale Legitimität sucht.
Fabio Cannavaro, der unvergessene Kapitän der italienischen Weltmeistermannschaft von 2006, kehrt auf die Weltbühne zurück, diesmal als Trainer Usbekistans. Es ist ein persönliches Debüt auf der Bank, das einem ohnehin schon transgressiven Turnier eine italienische Note verleiht. Der Fokus liegt auf seinem Werdegang und der nostalgischen Erinnerung an Berlin, nicht auf der von ihm trainierten Mannschaft.
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