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GesellschaftMontag, 15. Juni 2026

Argentinien nimmt Abschied von Taty Almeida – die letzte große Stimme der Madres de Plaza de Mayo

Die Menschenrechtsikone, die über 50 Jahre nach ihrem verschwundenen Sohn suchte, ist mit 95 Jahren gestorben. Ihr Begräbnis wurde zur politischen Demonstration gegen die Geschichtsleugnung der Regierung Milei.

Mit dem Tod von Lidia Stella Mercedes Miy Uranga de Almeida, die alle Welt nur „Taty“ nannte, verliert Argentinien eine der prägendsten Gestalten seiner jüngeren Geschichte. Die Präsidentin der Madres de Plaza de Mayo Línea Fundadora starb am Sonntag im Alter von 95 Jahren in Buenos Aires. Ihr Leichnam wurde in der Gewerkschaftszentrale der Telekommunikationsarbeiter (Foetra) aufgebahrt, wo sich am Montag Hunderte von Menschen einfanden – darunter Gouverneur Axel Kicillof, die Präsidentin der Großmütter der Plaza de Mayo, Estela de Carlotto, sowie zahlreiche Gewerkschafter und Kulturschaffende. Die Familie hatte darum gebeten, von Blumenspenden abzusehen und stattdessen zu spenden. Neben dem geschlossenen Sarg stand ein Porträt, das Taty Almeida mit ihrem unverwechselbaren Lächeln zeigte.

Taty Almeida, 1930 als Tochter einer Militärfamilie geboren, wurde am 17. Juni 1975 aus einem bürgerlichen Leben gerissen, als ihr Sohn Alejandro von paramilitärischen Gruppen entführt wurde – neun Monate vor dem Putsch, der die blutige Diktatur von 1976 bis 1983 einleitete. Von da an suchte sie unermüdlich nach der Wahrheit über sein Schicksal. 1979 schloss sie sich den Madres de Plaza de Mayo an, jenen Frauen, die jeden Donnerstag mit weißen Kopftüchern um die Pyramide auf der Plaza de Mayo schritten, um die Rückkehr ihrer verschwundenen Kinder zu fordern. Almeida wurde zur Präsidentin der Línea Fundadora und zu einer moralischen Instanz des Landes. Ihr Mantra – „Wenn die Mütter es konnten, warum nicht wir?“ – gab Generationen von Aktivisten Kraft.

Die Trauerfeier geriet unweigerlich zu einer politischen Kundgebung. Estela de Carlotto, die selbst einen Enkel suchte und fand, fand deutliche Worte: „Die Regierung muss heute wohl anstoßen, denn sie hasst uns.“ Damit spielte sie auf die Relativierung der Militärdiktatur durch Präsident Javier Milei und seine Vizepräsidentin Victoria Villarruel an, die offen die Zahl der Verschwundenen anzweifeln und den Staatsterror verharmlosen. Gouverneur Kicillof würdigte Almeida als „ständige Präsenz“ bei jedem Akt der Erinnerung und betonte, dass ihr Beispiel und ihr Kampf überdauern. Die Zeremonie, die bis Mitternacht dauerte und am nächsten Morgen fortgesetzt wurde, war von einer Valla umgeben, die mit weißen Kopftüchern bedeckt war – dem weltweit bekannten Symbol des friedlichen Widerstands.

Aus internationaler Perspektive markiert Almeidas Tod das nahende Ende einer Ära. Britische Medien wie der Guardian und brasilianische wie UOL würdigten sie als „Figur moralischer Autorität“, deren Suche nach Gerechtigkeit über ein halbes Jahrhundert währte. Für das deutschsprachige Europa, das mit der eigenen Aufarbeitung von Diktatur und Staatsterror ringt, bleibt die argentinische Menschenrechtsbewegung ein Referenzpunkt. Die Madres de Plaza de Mayo zeigten, wie zivilgesellschaftlicher Druck selbst in Zeiten politischer Renationalisierung Erinnerung wachhalten kann. In Deutschland, Österreich und der Schweiz, wo die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit und der SED-Diktatur stets neu verhandelt wird, erinnert Almeidas Lebenswerk daran, dass Wahrheit und Gerechtigkeit keine Selbstläufer sind.

Mit Taty Almeida verliert die Bewegung ihre letzte große Gründerfigur, doch ihr Vermächtnis ist längst an jüngere Generationen übergegangen. Die Madres und Abuelas haben nicht nur Hunderte von geraubten Enkeln identifiziert, sondern auch ein zivilgesellschaftliches Fundament geschaffen, das in Gewerkschaften, Universitäten und Stadtteilinitiativen fortlebt. Ihr Leitspruch, dass die einzige verlorene Schlacht jene ist, die man aufgibt, hallt in einem Argentinien nach, das unter Milei einen neuen Anlauf zur Geschichtsvergessenheit erlebt. Die weißen Kopftücher werden weiterhin jeden Donnerstag auf der Plaza de Mayo zu sehen sein – als stille, aber unbeugsame Antwort auf das „Brindis“ der Leugner.

Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.

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TonTemperaturFokusPositionierungHorizont
Stampa latinoamericanaStampa europea continentale
Stampa latinoamericana/ bolivariana_progressista
indignazioneurgenzaallarme

Der Tod von Taty Almeida, der geliebten Anführerin der Mütter der Plaza de Mayo, hat Argentinien tief erschüttert. Ihre Mitstreiterin Estela de Carlotto erhob schwere Vorwürfe gegen die Regierung und sagte, diese müsse heute feiern. Almeidas Vermächtnis als unermüdliche Kämpferin gegen die Leugnung der Diktaturverbrechen bleibt ein Leuchtturm für kommende Generationen.

Stampa europea continentale/ mediterranea
distaccopragmatismo

Taty Almeida, historische Anführerin der Mütter der Plaza de Mayo, ist im Alter von 95 Jahren gestorben. Als Pionierin des Menschenrechtsschutzes hatte sie sich zuletzt gegen die leugnende Politik der Regierung Milei gestellt. Ihr Tod schließt ein grundlegendes Kapitel der argentinischen Menschenrechtsbewegung.

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Argentinien nimmt Abschied von Taty Almeida – die letzte große Stimme der Madres de Plaza de Mayo

Die Menschenrechtsikone, die über 50 Jahre nach ihrem verschwundenen Sohn suchte, ist mit 95 Jahren gestorben. Ihr Begräbnis wurde zur politischen Demonstration gegen die Geschichtsleugnung der Regierung Milei.

Mit dem Tod von Lidia Stella Mercedes Miy Uranga de Almeida, die alle Welt nur „Taty“ nannte, verliert Argentinien eine der prägendsten Gestalten seiner jüngeren Geschichte. Die Präsidentin der Madres de Plaza de Mayo Línea Fundadora starb am Sonntag im Alter von 95 Jahren in Buenos Aires. Ihr Leichnam wurde in der Gewerkschaftszentrale der Telekommunikationsarbeiter (Foetra) aufgebahrt, wo sich am Montag Hunderte von Menschen einfanden – darunter Gouverneur Axel Kicillof, die Präsidentin der Großmütter der Plaza de Mayo, Estela de Carlotto, sowie zahlreiche Gewerkschafter und Kulturschaffende. Die Familie hatte darum gebeten, von Blumenspenden abzusehen und stattdessen zu spenden. Neben dem geschlossenen Sarg stand ein Porträt, das Taty Almeida mit ihrem unverwechselbaren Lächeln zeigte.

Taty Almeida, 1930 als Tochter einer Militärfamilie geboren, wurde am 17. Juni 1975 aus einem bürgerlichen Leben gerissen, als ihr Sohn Alejandro von paramilitärischen Gruppen entführt wurde – neun Monate vor dem Putsch, der die blutige Diktatur von 1976 bis 1983 einleitete. Von da an suchte sie unermüdlich nach der Wahrheit über sein Schicksal. 1979 schloss sie sich den Madres de Plaza de Mayo an, jenen Frauen, die jeden Donnerstag mit weißen Kopftüchern um die Pyramide auf der Plaza de Mayo schritten, um die Rückkehr ihrer verschwundenen Kinder zu fordern. Almeida wurde zur Präsidentin der Línea Fundadora und zu einer moralischen Instanz des Landes. Ihr Mantra – „Wenn die Mütter es konnten, warum nicht wir?“ – gab Generationen von Aktivisten Kraft.

Die Trauerfeier geriet unweigerlich zu einer politischen Kundgebung. Estela de Carlotto, die selbst einen Enkel suchte und fand, fand deutliche Worte: „Die Regierung muss heute wohl anstoßen, denn sie hasst uns.“ Damit spielte sie auf die Relativierung der Militärdiktatur durch Präsident Javier Milei und seine Vizepräsidentin Victoria Villarruel an, die offen die Zahl der Verschwundenen anzweifeln und den Staatsterror verharmlosen. Gouverneur Kicillof würdigte Almeida als „ständige Präsenz“ bei jedem Akt der Erinnerung und betonte, dass ihr Beispiel und ihr Kampf überdauern. Die Zeremonie, die bis Mitternacht dauerte und am nächsten Morgen fortgesetzt wurde, war von einer Valla umgeben, die mit weißen Kopftüchern bedeckt war – dem weltweit bekannten Symbol des friedlichen Widerstands.

Aus internationaler Perspektive markiert Almeidas Tod das nahende Ende einer Ära. Britische Medien wie der Guardian und brasilianische wie UOL würdigten sie als „Figur moralischer Autorität“, deren Suche nach Gerechtigkeit über ein halbes Jahrhundert währte. Für das deutschsprachige Europa, das mit der eigenen Aufarbeitung von Diktatur und Staatsterror ringt, bleibt die argentinische Menschenrechtsbewegung ein Referenzpunkt. Die Madres de Plaza de Mayo zeigten, wie zivilgesellschaftlicher Druck selbst in Zeiten politischer Renationalisierung Erinnerung wachhalten kann. In Deutschland, Österreich und der Schweiz, wo die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit und der SED-Diktatur stets neu verhandelt wird, erinnert Almeidas Lebenswerk daran, dass Wahrheit und Gerechtigkeit keine Selbstläufer sind.

Mit Taty Almeida verliert die Bewegung ihre letzte große Gründerfigur, doch ihr Vermächtnis ist längst an jüngere Generationen übergegangen. Die Madres und Abuelas haben nicht nur Hunderte von geraubten Enkeln identifiziert, sondern auch ein zivilgesellschaftliches Fundament geschaffen, das in Gewerkschaften, Universitäten und Stadtteilinitiativen fortlebt. Ihr Leitspruch, dass die einzige verlorene Schlacht jene ist, die man aufgibt, hallt in einem Argentinien nach, das unter Milei einen neuen Anlauf zur Geschichtsvergessenheit erlebt. Die weißen Kopftücher werden weiterhin jeden Donnerstag auf der Plaza de Mayo zu sehen sein – als stille, aber unbeugsame Antwort auf das „Brindis“ der Leugner.

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Taty Almeida, historische Anführerin der Mütter der Plaza de Mayo, ist im Alter von 95 Jahren gestorben. Als Pionierin des Menschenrechtsschutzes hatte sie sich zuletzt gegen die leugnende Politik der Regierung Milei gestellt. Ihr Tod schließt ein grundlegendes Kapitel der argentinischen Menschenrechtsbewegung.

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