
Von der Resolution zur Tat: Accraer Konferenz sucht Weg zu konkreten Sklaverei-Reparationen
Vertreter aus über 80 Staaten beraten in Ghana über die nächsten Schritte nach der UN-Anerkennung des transatlantischen Sklavenhandels als schwerstes Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
In der Festung Osu, einst zentraler Umschlagplatz des atlantischen Sklavenhandels, hat am Mittwoch eine dreitägige internationale Konferenz zur reparativen Gerechtigkeit begonnen. Ausgerichtet von Ghanas Präsident John Dramani Mahama, versammelt sie Staats- und Regierungschefs aus Senegal, Namibia, Liberia und São Tomé und Príncipe, die Premierministerin von Barbados, den Vizepremier Äquatorialguineas sowie Minister aus mehr als 80 Ländern. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schaltete sich virtuell zu. Die Zusammenkunft markiert den ersten globalen Versuch, die im März verabschiedete UN-Resolution – sie erklärt die Verschleppung von 12,5 Millionen Afrikanern zur „schwersten Straftat gegen die Menschlichkeit“ – in einen Fahrplan für materielle und symbolische Wiedergutmachung zu überführen.
Mahama rückte in seiner Eröffnungsrede die Erfahrungen versklavter Frauen und Mädchen ins Zentrum, die nicht länger „Fußnoten der Geschichte“ bleiben dürften. Er betonte, dass heutige Generationen keine Schuld, wohl aber eine Verantwortung für die fortwirkenden Ungleichheiten trügen, und kündigte drei globale Expertengremien an, die künftig strategische Führung, technisches Wissen und juristische Leitlinien bündeln sollen. Ghanas Außenminister Samuel Okudzeto Ablakwa spannte einen weiten historischen Bogen: Nach den Siegen über Sklaverei, Kolonialismus und Apartheid stehe nun die reparative Gerechtigkeit bevor. Aus Pariser Perspektive unterstrich Macron, dass Wiedergutmachung mit Wahrheit beginne. Er kündigte für 2027 eine nationale Gedenkstätte am Trocadéro an, schlug eine internationale wissenschaftliche Initiative zur Sicherung der „wahren Geschichte“ vor und forderte eine verstärkte Restitution von Kulturgütern.
Die Konferenz versteht sich als Brücke zwischen symbolischer Anerkennung und handfesten Maßnahmen. Die UN-Resolution sei „nie als Endpunkt gedacht“, so Mahama, sondern als Fundament für einen vertieften Prozess. Seine Beraterin Joyce Bawah Mogtari rief die Staatengemeinschaft dazu auf, nun die schwierige Frage konkreter Schritte zu beantworten. Neben den drei neuen Panels geht es in Accra um Partnerschaften, die den globalen Diskurs über historische Rechenschaftspflicht prägen sollen. Die Debatte reicht dabei über den transatlantischen Kontext hinaus: In Nairobi begrüßte Amnesty International Kenia einen nationalen Kompensationsrahmen für Opfer von Menschenrechtsverletzungen, verband dies jedoch mit der Forderung, Strafverfahren gegen friedliche Demonstranten fallenzulassen – ein Hinweis, dass Reparationen auch in aktuellen Krisen nicht von der Achtung bürgerlicher Freiheiten zu trennen sind.
Für den deutschsprachigen Raum wirft die Accraer Dynamik vertraute Fragen auf. Deutschland ringt seit Jahren um die Aufarbeitung seiner Kolonialverbrechen, von der Anerkennung des Völkermords an den Herero und Nama bis zur Rückgabe der Benin-Bronzen. Die in Ghana vorgeschlagenen internationalen Wissenschaftskooperationen und die französische Gedenkstätten-Initiative könnten als Blaupause für eine europäisch-afrikanische Erinnerungsarbeit dienen, die über bilaterale Gesten hinausgeht. Zugleich bleibt die zentrale Spannung bestehen: Wie lassen sich historische Verantwortung und gegenwärtige Handlungsfähigkeit in rechtlich belastbare, finanzierbare und gesellschaftlich akzeptierte Formen gießen? Die Antworten, die in den kommenden Tagen aus Accra kommen, werden den Ton für die nächste Phase der globalen Gerechtigkeitsbewegung setzen.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
2 Mediengruppen · 2 Sprachen
Afrikanische und Diaspora-Führer versammeln sich in Accra, um die wegweisende UN-Resolution zur Sklaverei in konkrete Wiedergutmachungen umzusetzen. Der Gipfel wird als nächster Sieg in einem langen historischen Kampf dargestellt, der praktische Lösungen und globales Engagement fordert. Der Ton ist triumphierend, aber dringlich und ruft zu konkreten Maßnahmen gegen jahrhundertealtes Unrecht auf.
Eine internationale Konferenz in Accra diskutiert Wiedergutmachungen für den transatlantischen Sklavenhandel, an der Vertreter aus 80 Ländern teilnehmen. Das Treffen folgt auf eine historische UN-Resolution, die den Handel als Verbrechen gegen die Menschlichkeit anerkannte, und zielt darauf ab, nach 400 Jahren zu einer reparativen Gerechtigkeit zu gelangen. Die Berichterstattung ist neutral und konzentriert sich auf die Fakten und die lange verzögerte Natur des Themas.
Verwandte Artikel
Geplante Gespräche zwischen USA und Iran in der Schweiz abgesagt – Waffenruhe bleibt fragil
12 Sprachen · 52 Quellen
SportMexiko nach Torwartfehler als erstes Team in der Runde der letzten 32
9 Sprachen · 40 Quellen
PolitikVance warnt Israel vor Entfremdung vom letzten mächtigen Verbündeten
9 Sprachen · 28 Quellen